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Wir allein sind Schuld an der re:publica

Nichts ist befreiender, als anderen die Schuld zu geben. Die Kritik an der re:publica 2011 reicht von Hasstiraden auf die Technik, Neidattacken auf die Veranstalter, fein säuberlich in Kritik an “Digitale Gesellschaft” verpackt, über mäßigen Inhalt bis zu schlechten Sprechern und mündet apokalyptisch im mangelhaften gesellschaftspolitischen Verhalten der ganzen Menschheit. Verblichene und Zukünftige eingeschlossen.

Wenn jemand Schuld verteilen möchte, dann doch bitte an uns. An diejenigen, die Teil der re:publica waren, sind und weiterhin sein wollen. Wir allein sind Schuld an der re:publica. Das müssen wir uns vorwerfen lassen, auch wenn es schmerzt.

Ich habe die re:publica immer als Gemeinschaftskonferenz verstanden. Ein Treffen, dessen Speaker sich aus den eigenen Gästereihen zusammensetzen. Dessen Helfer nach getaner Arbeit Besucher werden. Dessen Berichterstatter 80 Prozent der Gäste mit dem Vornamen begrüßen. Dessen Eintrittspreis im Vergleich zu jeder anderen Konferenz ein Taschengeld ist.

Manche nennen es “Klassentreffen”. Ich finde den Begriff schrecklich, geht es doch hierbei nur um das Herumreichen erworbener Statussymbole. (Aus eigener Erfahrung: Ein Trend, der Dank Smartphones ungeahnte Kotzigkeit erreicht hat.) Auf der re:publica kennt man sich, weiß ziemlich genau, was der oder die gerade macht. Gleichzeitig vermittelt “Klassentreffen” dieses unbestimmte Gefühl, jeder Konfrontation aus dem Weg gehen zu müssen. Der alten Zeiten zuliebe.

Und hier haben wir alle versagt. Was geht: Wir gestalten das Programm, wir führen die Diskussion, wir packen selbst mit an. Ein Stück Barcamp in Konferenzistan. Dazu gehört auch, den Mund aufzumachen. Und zwar vor Ort.

Wir allein sind Schuld an der re:publica. Aber vielleicht schmerzt es nächstes Jahr nicht mehr, diesen Satz zu sagen. Ganz im Gegenteil.

4 Kommentare

  1. Ist ja schön und ungewohnt fair, dass du die Schuld bei dir selbst und uns allen suchst. Aber du bist der Meinung, es müsste einen Schuldigen geben? Wofür denn, woran haben wir schuld? Die re:publica 2011 mag ihre Schwächen gehabt haben, aber sie war meiner Meinung nach trotzdem noch immer die re:publica und eine großartige Veranstaltung.Wie eine Freundin von mir es so schön ausdrückte: Das war so eine Art Zwischen-re:publica, die wir einfach als Teil des großen Ganzen hinnehmen müssen. Nächstes Jahr hat sie sich dann weiterentwickelt und wir haben dazu beigetragen. Oder so ähnlich.Aber vielleicht habe ich dich ja auch falsch verstanden…!?

  2. @ CarolinN Also ich verstehe Markus’ Text einfach als Replik auf all die tendenziell unzufriedenen Kommentare und auch an all diejenigen, die für die “Probleme” verantwortlich oder eben daran Schuld sein sollen - oder eben einen Schuldigen suchen. Insofern meint ihr da imho beide das gleiche.

  3. Wenn dem so ist, wäre das wie gesagt eine schöne Perspektive im Vergleich zu all den Nörglern

  4. Christoph Salzig

    Die re:publica 2011 war eine gewaltigere Aufgabe als in den Jahren zuvor - inhaltlich wie organisatorisch. Inhaltlich ist und bleibt es schwierig bei einer Konferenz, die maximal kostendeckend agiert, Partner und Sponsoren in die Schranken zu weisen. Organisatorisch war bereits im Vorfeld klar, dass es mit der Kalkscheune große Schwierigkeiten geben wird. Mich hat die Selbstzufriedenheit vieler Teilnehmer überrascht, die offenbar genauso gut auf die Inhalte hätten verzichten können, Hauptsache man war dabei. Das aber ist bei der Relevanz, die die re:publica inzwischen in der öffentlichen Wahrnehmung inzwischen eingenommen hat, nicht genug. Wie auch immer: Es wird etwas passieren. Da Andreas, Johnny und Markus aber sicher wissen, wo die Probleme liegen und alle konferenzerfahren sind, werden wir 2012 eine andere, bessere re:publica sehen. Da bin ich mir sicher! Insofern halte ich die Kritik für berechtigt, sehe aber auch, dass es 2011 eher eine “Zwischen-re:publica” gewesen ist. Die Community ist aufgefordert, 2012 mit vorzubereiten - dazu ist mehr denn je ein echtes Interesse an den Inhalten erforderlich! Nur dann kann es gelingen auch einen (gesellschafts)politischen Diskurs zu den wichtigen Themen rund ums Web vorzubereiten und zu begleiten.

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