Verlogenheit (2) und warum ich Wollmilchsäue trotzdem mag
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Interessante Reaktionen gab's auf meine Kollegenschelte, insbesondere auf persönlichem Wege. Deswegen ist es besonders schade, dass ich aus Zeitgründen das Panel beim DJV absagen musste. Dort hätte ich nur allzu gern mit Qualitätsaposteln wie dem Video-Vertreter meines Ex-Arbeitsgebers diskutiert. Etwas scheint aber bis jetzt untergegangen zu sein: Ich bin weiterhin ein glühender Verfechter der journalistischen Alleskönner.
Man könnte es als Autoritätsproblem bezeichnen, ich nenne es gesundes berufliches Misstrauen: Ich habe Probleme mit Entscheidungen von Vorgesetzten, deren Bewegtbilderfahrung nicht über das Tragen eines Stativs hinausgeht. Neben der menschlichen Qualifikation definiert das Fachwissen- und -können den Akzeptanzgrad. Und hier sehe ich viele tiefsitzende Probleme in der deutschen Journalistengesellschaft. Ich kann keinen Print-Chefredakteur Ernst nehmen, der einem Bewegtbildmacher die Schnittreihenfolge glaubt, vorgeben zu müssen.
Nun muss niemand ein jahrelang ausgebildeter Video-Experte sein. Aber es sollte das grundsätzliche Verständnis für das Handwerk vorhanden sein. Zeitungsredakteuren mit eklatanter Rechtschreibschwäche bescheinige ich weiterhin nur geringe Karrierechancen. Journalismus ist ein Handwerk. Und wer dieses nicht beherrscht, sollte zunächst selbst lernen und dann erst lehren.
Deswegen bin ich für eine allumfassende Ausbildung von Journalisten. Kaum jemand wird in mehreren Gebieten Perfektion erlangen. Aber die meisten Aspiranten werden nicht mehr wie der Ochs vorm Berg stehen, wenn jemand mit Fachwissen eine profunde Entscheidung erwartet.
