Ted "Golden Radio Voice" Williams Teil 3: Erst eine Sensation in den USA, dann Ärger bei YouTube. Und jetzt das!
Was wird nicht viel dieser Tage wieder über Qualitätsjournalismus geredet, geschrieben und gedacht. Ohne diesen sei die Gesellschaft am Ende und liefern könne diesen ohnehin nur die bestehende Medienmischpoke. Dabei sollten sich die Verlage einfach selbst an die Nase fassen. Zur Qualität gehört auch, folgende Dinge möglichst gar nicht passieren zu lassen: Abschreiben, nachmachen oder sogar klauen.
Vielleicht sollte das mal jemand den Kollegen bei Spiegel Online sagen. In diesem Video wird die Story der goldenen Radiostimme zusammengefasst. Ein Blick in den Abspann verrät: Mit viel Bildmaterial von Reuters - aber vor allem YouTube. Verständlich - auf YouTube begann schließlich der Siegeszug des Phänomens mit dem Originalvideo. Konsequent, dass sich SpOn von dort bedient. Kostet nix. Und einen Urheber hat das Video auch nicht. Zumindest nicht laut Spiegel Online.
Das scheint der Urheber des Videos, die Columbus Dispatch, aber ganz anders zu sehen. Und hat deswegen mit einer, sicherlich fragwürdigen, Löschaktion bei YouTube losgelegt. Das braucht SpOn nicht zu interessieren. Weder im Off-Text noch per Einblendung wird auf die echte Quelle hingewiesen.
Und ich höre schon jetzt einige Unverbesserliche schreien: "Aber das ist doch Zitatrecht." Darüber mag sich streiten lassen. Unstrittig dagegen: Das ist ganz schlechter Stil. Und von Qualitätsjournalismus so weit entfernt wie Hamburg von Columbus.
Es hätte ein PR-Coup für den Columbus Dispatch werden können: Durch Zufall entdeckten sie Ted Williams, den Mann mit der goldenen Radiostimme. Dann schnappte sich jemand das Video, stellte es bei YouTube ein und kurze Zeit später ging es um die Welt. Jetzt hat die US-Zeitung das Video sperren lassen.
Keine Frage: Der Anspruch ist gerechtfertigt. Ich kann mir vorstellen, wie die Verlagschefs an die Decke gegangen sind, als die mehr als 12 Millionen Videoviews eintrudelten. Und zwar auf YouTube, nicht auf Dispatch. Dabei war das Problem hausgemacht: Der Videoplayer unterstützte kein Embedding. Und den gesamten ersten Tag unterschätzte die Dispatch-Redaktion sich selbst und versteckte das Video auf der Webseite.
Hätte The Dispatch nach dem Videoklau mitgespielt, wären sie mit einem blauen Auge davongekommen. "Hey, die Abrufe sind nicht unser. Aber die Story kommt von uns." Jetzt verweisen tausende Newsseiten und Blogs auf ein durch Columbus Dispatch gesperrtes Video. Ohne Link auf die Zeitungsseite oder auf den eigenen Videoplayer, der übrigens mittlerweile, wenn auch technisch schlecht gemacht, embeddbar ist.
Selbst im offiziellen Columbus Dispatch-Channel auf YouTube ist von der goldenen Stimme nichts zu hören und zu sehen. Diesen Kanal gibt es nämlich immer noch nicht. Leidtragender auf YouTube ist dafür die ähnlich benamte Zeitung The Dispatch aus North Carolina. Kommentare wie "What the fuck are you doing?" sind noch die freundlichen Beschwerden dort.
Gebracht hat die Löschaktion auf YouTube zudem nichts: Dutzende Nutzer haben das Video erneut hochgeladen. Und dieses Mal oft genug ohne Hinweis auf Columbus Dispatch als Urheber.
Update: Auf dem neu angelegten Channel hat die Dispatch nun das Originalvideo eingepflegt. Mit minimalen Abrufen und einer Lawine an negativen Kommentaren und negativen Bewertungen.
Gestern noch obdachlos, heute ein Star in allen US-Medien. Ted Williams, der Mann mit der goldenen Radio-Stimme, zeigt beeindruckend, zu was das Internet fähig ist.
Alles fing mit dem Video des Regionalblattes "The Columbia Disptach" an. Auf dem Einkaufsweg fiel dem Dispatch-Videojournalisten Doral Chenoweth III das Pappschild mit der Aufschrift "I have a god-given voice" auf. Mehr oder weniger im Vorbeifahren packte Chenoweth die Videokamera aus und lieferte einen 97-sekündigen Beitrag über Mr. Williams.
(Update: Doch kein Happy End. Dispatch hat das Video bei YouTube sperren lassen.)
Der weitere Weg wird in die jüngere Social-Media-Geschichte eingehen: Ein anonymer Nutzer krallte sich das Video von der Dispatch-Seite und stellte es bei YouTube ein, Dank reddit kam die Lawine dann ins Rollen. Einen Tag später ist das Video bei mehr als 5 11 Millionen Abrufen angelangt.
Jede Social-Media-Geschichte braucht ein Happy End. Und das kam für Ted Williams nur wenige Stunden später. Dutzende Jobangebote trudelten beim Dispatch für The Golden Voice ein, kaum ein US-Medium, welches nicht über das Stimmwunder berichtet hat. Mit neuem Haarschnitt und tränengetränkter Stimme folgte der Auftritt in der "Early Show" bei CBS.
Nachdem Ted Williams nun ein Handy hat, kann er sich vor Jobangeboten nicht mehr retten. Das NBA-Team der Cleveland Cavaliers bietet ihm nicht nur einen Job, sondern direkt ein eigenes Haus als Bonus.
Unglücklich über die Entwicklung der Geschichte dürfte nur The Columbia Dispatch sein. Den gesamten Dienstag verschliefen die Kollegen die Tragweite der Story, selbst als das Video bei YouTube längst viral geworden war. Am Mittwochnachmittag wurde schnell ein Text nachgelegt und das Video auf die Startseite geschoben, ein Chat mit Videojournalist Chenoweth folgt. Die Masse der Abrufe wird aber weiterhin bei YouTube anfallen - leider lassen sich die Dispatch-Videos nicht extern einbinden.
Update: CNN hat ebenfalls berichtet und auch (kurz) Doral Chenoweth vor die Kamera gelotst.
Die einen sagen seit Jahren: Mit Webvideos kann man im Netz richtig Geld verdienen. Die anderen sagen: Webvideos sind ein reines Zuschussgeschäft. Recht hat keine Seite. Wenn es um die Monetarisierung von Bewegtbildern im Web geht, müssen neue Betrachtungsweisen her.
Der Webvideomarkt ist knallhart. Erfolg wird überbordend belohnt, strauchelnde Teilnehmer versinken schon bald in der Versenkung. Dies lässt sich anhand von einfachen Zahlenbeispielen schnell erklären. Die übliche Währung im Webvideobereich sind TKPs. Es wird ein Betrag X für jeweils 1000 Zuschauer bezahlt. Dieser Betrag schwankt, je nach Videoumgebung, Anzahl der zu erwartenden Zuschauer und Länge der Kampagne, mehr oder weniger stark. Als Zuschauer merken wir nur dies: Vor den vermarkteten Videos laufen Pre-Roll-Werbungen von 10 bis 30 Sekunden Länge. Seltener anzutreffen sind Post-Rolls im Nachgang oder Mid-Rolls mittendrin.
Was am Abend übrig bleibt
Nehmen wir eine typische deutsche mittelgroße Nachrichtenseite, wie es sie hierzulande in jeder Region zuhauf gibt. Nehmen wir an, im Monat werden 1 Millionen Videoabrufe verkauft und auch von den Nutzern erbracht. Nehmen wir weiterhin an, dass der durchschnittliche TKP bei 10 Euro liegt, nach Abzug aller Rabatte und Provisionen. Dann werden Dank 1 Millionen gesehener Videos 10 000 Euro umgesetzt. Auch jedem Nicht-Profi sollte klar sein, dass damit weder Angestellte, Investitionen, Fremdcontent noch eine eigene, weil lizensierte Abspielplattform, finanzierbar sind. Und nur mit Handyvideos lassen sich selbst bei YouTube keine Berge versetzen.
Der Ruf der Videovermarkter geht deswegen hin zu "mehr Reichweite". Schließlich lässt sich damit gut rechnen. Verzehnfacht die Abrufe und die Kasse klingelt. Wie man es dreht und wendet: Abgesehen von den großen Portalen ist für andere Mitspieler kein Blumentopf zu gewinnen. Eine Einkaufspassage lockt eben mehr Besucher an, als der Tante-Emma-Laden um die Ecke.
Wer die zur Refinanzierung benötigte Reichweite nicht erreichen kann, sollte seinen Laden schließen. Oder?
Die Mär von Selbsternährern
Hier beginnt der Denkfehler vieler Medienproduzenten und endet auch so manches Geschäftsmodell. Dabei: Wer hat jemals bestimmt, dass Bewegtbilder aus sich heraus zu ihrer Refinanzierung gemacht werden müssen? Nach dieser Logik müsste jeder Online-Text an diesem Modell gemessen werden. Ich empfehle hierzu das obige Rechenbeispiel, allerdings mit TKPs im marktüblichen einstelligen Bereich.
Webvideos werden, solange sich nicht grundsätzlich in der Vermarktung eben dieser etwas ändert, nicht Selbsternährer werden. Leider ist dies weiterhin die Maxime nahezu aller Videoanbieter. Doch dieser Weg birgt viele Gefahren. Auch wenn die Nutzung von Pre-Rolls mittlerweile bei den Websehern akzeptiert ist, führt der zahlenmäßige Missbrauch langfristig zu sinkenden Abrufzahlen. Und im Übrigen auch zu Frust beim Werbekunden. Der nett gedachte Spot zu einer kurzfristigen Aktion wird allzu schnell zum ungeliebten Vorhängeschloss. Oder würden Sie eine Werbebotschaft genießen, die Ihnen wochenlang bei jedem Videoabruf vorgesetzt wird?
Totengräber
Gefährlich wird es für den Journalismus. Zeitaufwändig recherchierte Videogeschichten sind teurer, als der schleichende Weg in den Boulevardjournalismus. Am Ende des Redaktionstages geht es nicht mehr um die Qualität eines Videos und seiner inhaltlichen Relevanz, sondern um seine Abrufzahlen. Wen wundert es, dass die drei großen Ts (TiereTittenTote) zunehmend in vermeintlich seriösen Webvideoversuchen Einlass finden.
Die Wirkung von Videos liegt ganz woanders. Sie sind nicht nur unverzichtbarer Bestandteil eines heutigen Internetauftrittes. Sie steigern die Verweildauer auf der jeweiligen Seite. Sie gehören zur Klaviatur eines modernen medienkonvergenten Journalismus hinzu.
Webvideo-Dilemma
Noch gibt es keine eindeutige Lösung für das Dilemma. Und solange es diese nicht gibt, kann ich jedem nur empfehlen, an den Grundfesten nicht zu rütteln. Mir sind 100 000 Abrufe auf ordentliche Videos lieber, als 10 Millionen Schaulustige oder Anhänger der Spaßgesellschaft, die eine videogewordene Bilderstrecke der Miss-NRW für gesellschaftlich unverzichtbar halten. Für lousy pennies sollte niemand sein Gewissen verraten. Sonst gräbt er dem Qualitätsjournalismus ein noch tieferes Grab. Und das sollte uns nicht egal sein.
Ich bin ein großer Fan des Mystery Guitar Man. Wer den guten Herren noch nicht kennt: Er zählt weltweit zu den erfolgreichsten Webvideomachern. Bis jetzt hat er es auf YouTube auf fast 200 Millionen Videoabrufe gebracht. Aber nicht nur deswegen ziehe ich vor Joe Penna den Hut. Wenn es um den perfekten Einsatz von Social Media für Bewegtbild geht, gibt es kaum jemanden, der kontinuierlich derartig seine Fanbasis pflegt und ausbaut: 1,6 Millionen Abonnenten auf YouTube sind beachtlich.
Beispielhaft Joes Video als menschliches Schlagzeug. Simpel, aber zudem ein perfekter Einsatz der Möglichkeiten des YT-Videoplayers.
(Das Video sollte ganz geladen sein, bevor es mit dem Drummen losgeht.)
Nun wird es also ernst. Nicht mehr ganz so lange, und die 25 Seiten müssen abgeliefert werden. 25 Seiten für ein Buch über "neuen Journalismus" und was Webvideos damit zu tun haben. Und damit ist die Zeit gekommen, etwas zu reflektieren. Und wo ginge das besser, als im Blog?
Am Anfang steht die Definition. Gewissermaßen die Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Die Antwort auf die schwierige Frage: Was sind Webvideos überhaupt?
Zum Einen sind Webvideos weiterhin Bewegtbild. Also diese Stücke, die im Fernsehen seit Jahrzehnten hoch und runter laufen. Und doch steckt mehr dahinter. Das Internet zwingt uns förmlich dazu, die bestmögliche Erzählweise für eine Geschichte auszuwählen. Das mag manchmal Text sein, ein Foto oder eben ein Video. Dieser Drang nach Medienkonvergenz geht noch weiter: Gute Webvideos müssen ins Netz passen. Müssen sich den geänderten Nutzungsgewohnheiten beugen, noch zielgerichteter das Publikum ansprechen und oben drauf die eigenen Fesseln abstreifen und zu einem Dialogmedium werden.
Womit wir bei den Gedanken sind:
1. Webvideo ist nicht WebTV
Diese Erkenntnis reift zusehends auch bei gestandenen Fernsehmachern. Weil ihre Werke im Netz nicht funktionieren. Entweder zu lang, falsch aufgebaut oder schlichtweg falsch kommuniziert. Bei aller Freiheit in der Gestaltung von Bewegtbildern im Netz sind einige Rahmenbedingungen einzuhalten. Zugegeben: Das war vor ein paar Jahren noch nicht der Fall. Wir haben frei ins Blaue produziert und experimentiert. Das ist zwar weiterhin nötig, doch die Parameter im Labor sind Dank erster aussagekräftiger Studien nun deutlich sichtbarer.
2. Authentizität ist alles?
Das war vielleicht vor ein paar Jahren noch so. Möglichst authentisch wirken, auch im Journalismus. Eine verwackelte Kamera hier, etwas unsauberer dort und schon sind wir Journalisten auf Augenhöhe mit unseren Websehern. Die Idee hat nicht gezündet. Einfach weil die Webseher nicht dumm sind. Sie verfügen über das, was ich "angeborene Medienempathie" nenne. Sie riechen sehr schnell den Braten, wer unehrlich handelt, kriegt irgendwann die Macht des Netzes zu spüren. Wie also vorgehen? Mit Transparenz. Webseher scheuen sich nicht davor, Hintergründe zum Video aufzusaugen. Entweder paralel zum Video oder über den journalistischen "long tail" - über das Gesamtwerk des Autors.
3. Wie viel Unterhaltung darf's sein?
Dieser Punkt bereitet mir am meisten Kopfschmerzen. Das Netz ist ein Aufmerksamkeitsschlachtfeld. Schnarchige Videos, selbst mit der wichtigsten Nachricht des Jahrhunderts, haben es schwer im Netz. Bewegtbilder leben von ihrer Geschichte. Ob nun klassisch griechisch aufgebaut, oder extravagant im New-Hollywood-Stil. Die größte Gefahr des Journalismus führt dazu, vor lauter Erzählen das Informieren zu vergessen. Und nicht selten werden dann aus Geschichten kleine Märchen. Ich bin der festen Überzeugung, dass Informationen im Netz nur mit einer gerüttelten Portion Unterhaltung transportiert werden können, zumindest für einen Großteil der Nutzer. Und überhaupt: Wer hat sich damals einfallen lassen, dass journalistische Videos langweilig sein müssen?
4. Von den Nutzern lernen
YouTube ist zwar das größte Sammelbecken an Videoexperimenten, wir Journalisten schauen in der Regel nur verächtlich auf den Mammut-Web-Sender. Dabei sind dort die Zeiten von tanzenden Babys und herum kullernden Katzen längst vorbei. Diese Sparte wird es weiterhin geben, längst hat aber eine ganze Generation junger Filmemacher die Abrufzahlen unter Kontrolle. Einfach mal die Abrufzahlen von "seriösen" Videos klassischer Medien mit denen von deutschen YouTube-Filmern vergleichen. Irgendwas müssen die jungen Wilden richtig machen.
5. Netz bedeutet Dialog
Oder mindestens Kommunikation. Wieso sind journalistische Bewegtbilder im Internet weiterhin das einzige Medium, welches abgedreht, produziert und dann einfach ins Netz fallengelassen wird? Der Webseher möchte das Gefühl haben, an der Geschichte teilzuhaben. Genauer ausgedrückt: Teilhaben zu können. Die Quote der Mitmacher ist auch morgen noch ziemlich klein. Aber der Nutzer honoriert das Gefühl, nicht tatenlos vor dem Monitor sitzen zu müssen. Wie dieser Dialog funktionieren kann zeigt übrigens erneut ein Blick z.B. auf YouTube.
6. Technik ist egal, Handwerk nur noch Beiwerk
Natürlich würde sich niemals ein Journalist hinstellen und sagen: "Hey, aufs Handwerk kommt's nicht wirklich an". Gleichwohl handeln zusehends mehr Kollegen nach dieser Minimaleinstellung. Es genügt nicht, eine Flip-Kamera zu schwenken, Interviewpartner ein paar knackige Fragen entgegenzuschleudern und anschließend ins Netz zu pumpen. Das mag für kurze Zeit funktionieren, aber die Probezeit für schlechtes Handwerk ist im Netz kaum noch vorhanden. Leider halten einige Kollegen an dieser Idee fest, die Videos der Nutzer sind ja auch nicht besser. Und damit begehen sie einen der größten Fehler. Ich kenne kaum einen Hobbyfilmer, der nicht nach Perfektion in seinen Videos strebt. Und das sollten wir auch. Guter Ton und sauberes Bild sind für Video ein Selbstzweck: Sie helfen, die Informationen und Emotionen besser zu vermitteln. Und: Wer sich "Profi" nennt und seinen Namen darunter setzt, wird vom Webseher weiterhin anders wahrgenommen als der Abiturient aus Bottrop auf YouTube. Paradoxerweise ist es doch genau das, wonach die meisten Kollegen streben - ihre Profession als unverzichtbar und unverwechselbar zu markieren.
7. Innovation vor Exklusivität
Bei diesem Punkt höre ich einige Video-Kollegen aufschreien: "Aber die exklusiven News bringen uns Traffic". Bis dann irgendwann eine Bürgerinitiative das Nachrichtenfeld besetzt hat. Angesichts ausgedünnter Redaktionen und schrumpfender Budgets längst keine Seltenheit mehr. Dabei honoriert das Web besonders die Kreativen. Eine vermeintlich langweilige Idee anders aufgesetzt, durchaus experimentell, ist der deutlich erfolgversprechendere Weg. Webvideos bedeuten vor allem stetige Weiterentwicklung und Eigenkritik, kein Ausruhen auf dem Status Quo. Und das Einbeziehen der Nutzer in diesen eigenen Dialog.
Soweit ein paar erste Gedanken, die es dann so oder ganz anders in ausführlich (und bunt!) demnächst zu lesen gibt. Feedback wie immer willkommen.
Der Webvideomarkt wächst rasant weiter. Das geht aus der aktuellen Studie zum dritten Quartal 2010 des Videohosting-Anbieters Brightcove und des Syndizierungs-Dienstes TubeMogul hervor. Nicht nur bleiben die Nutzer länger im Video, auch die Produktion von professionellem Content fürs Web ist in einigen Bereich stark gestiegen.
Facebook wirkt
Nicht ganz unschuldig daran sind die sozialen Netzwerke. Twitter liegt zwar weiterhin abgeschlagen hinter den Suchmaschinen, kann aber mit einer hohen Aufmerksamkeitsrate punkten: Vor allem Markenvideos werden über Twitter nicht nur besonders häufig angeklickt, sondern erfreuen sich einer überdurchschnittlich langen Nutzungsdauer. Die Statistik im Sturm genommen hat dagegen Facebook. Mittlerweile werden 9,6 Prozent der Videos über Zuckerbergs soziale Insel gefunden bzw. empfohlen. Damit liegt Facebook auf dem zweiten Platz der Rangliste und damit erstmals vor Yahoo. Google ist weiterhin der Platzhirsch mit 58 Prozent. Aber der Vorsprung ist im Vergleich zum vorigen Quartal 2010 um 7 Prozent geschrumpft. Nicht zuletzt Dank Facebook.
Sofamacht Spielekonsolen
Erstmals in der Statistik ausgewiesen sind Zahlen nach Gerätetypen. Demnach führen Spielekonsolen bei der Nutzungslänge und können hier ihren Sofavorteil ("lean-back") ausspielen: Die Nutzungsdauer von Bewegtbild liegt bei 2:45 Minuten, der gesamte Online-Durchschnitt liegt bei 2:27 Minuten. Mobile Endgeräte halten die Zuschauer für 2 Minuten am Bildschirm. Nicht in der Statistik aufgeführt sind dagegen Set-Top-Boxen wie GoogleTV, AppleTV und Boxee.
Die Browserfrage
Wenn es um das Abspielen von Videos im Web geht, hat der Nutzer die Qual der Wahl. Marktführer in allen Videosegmenten ist weiterhin Microsofts Internet Explorer (mit durchschnittlich 50 Prozent). Mit Abstand folgen (in Reihenfolge): Firefox, Chrome und Safari (nahezu gleich).
Nutzungsdauer weiterhin kritisch
Auch wenn die allgemeine Nutzungsdauer für Videos im Netz zunimmt, die Aufmerksamkeitskurve ist weiterhin erfolgskritisch für das Vermitteln des gewünschten Inhaltes.
In Worten ausgedrückt: 39 Prozent der Zuschauer verlassen nach 50 Prozent das Video, zumindest bei Markenvideos. Bei den anderen Videosegmenten sieht es weiterhin schwierig aus. Vor allem Zeitungen und Magazine müssen weiterhin mit der 50-Prozent Regel leben: 50 Prozent der Zuschauer sind nach der Hälfte des Videos weg.
Auffällig der Einbruch der Zahlen bei Zeitungsvideos. Eine mögliche Erklärung: Im dritten Quartal ist der Videooutput bei Zeitungen rasant um 51 Prozent gestiegen. Die durchschnittliche Nutzungsdauer dagegen nur minimal auf 1:30 Minute. Der neue Content scheint demnach die branchenübliche Länge von 2 Minuten für ein Zeitungsvideo stark nach oben verändert zu haben.
In der nächsten Betrachtung der Studie schaue ich mir die Zahlen zur täglichen Nutzung von Webvideos an.
Begleitend zum 3. Deutschen Videocamp am 19. und 20. Februar 2011 in Essen wird erstmals der Deutsche Webvideopreis verliehen. Um diese beiden Veranstaltungen zu bündeln, firmieren diese nun zusätzlich zusammen unter dem Dach "Deutsche Webvideotage".
Das Warum
Braucht es einen weiteren Preis in der Medienbranche? Wir sind der festen Meinung, dass die Zeit überreif ist. Webvideos sind nicht nur ein elementarer Bestandteil des Netzes, sie sind zudem einer der stärksten Wachstumsmotoren für die digitale Wirtschaft geworden. Kaum ein Unternehmen, welches nicht Onlinebewegtbilder in die Markenstrategie einfließen lässt, kein deutsches Medienhaus, das nicht mit Webvideos arbeitet und Dank Smartphones gehört das Filmen fürs Netz zur Pausenhofbeschäftigung wie früher das Tischtennisspielen.
Nur für Webvideos
Die fast unübersichtliche Schwemme an Webvideos ist zugleich der größte Nachteil dieser Medienrevolution. Viele Perlen, ob von Profis oder Amateuren, gehen in der Masse unter. Und hier möchte der Webvideopreis ansetzen.
Prämiert werden die besten, innovativsten und webaffinsten Videostücke aus dem deutschsprachigen Raum. Die Auswahl beschränkt sich dabei bewusst auf Videos, die explizit für das Web produziert worden sind. Statt althergebrachter Preiskategorien werden auch die neuen Genres im Netz berücksichtigt. So wird es zum Beispiel einen Preis für das beste "Do-it-Yourself-/How-To-Video" geben.
Abendliche Gala
Die Auswahl der Preisträger übernimmt eine Fachjury aus Bewegtbildexperten, unter anderem mit Videojournalist und Grimme-Online-Preisträger Mario Sixtus ("Elektrischer Reporter"). Zudem hat jeder Webseher im Vorfeld die Möglichkeit, seinen Favoriten und somit den Publikumspreis mitzubestimmen.
Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck an den letzten Feinheiten der Veranstaltung und freuen uns bereits jetzt über eine große Zahl namhafter Medien- und Kooperationspartner, welche die Preisverleihung unterstützen werden. Der Webvideopreis 2011 wird während einer abendlichen Gala in einer bekannten Kulturlokation in Essen vergeben, bei der auch der Unterhaltungsfaktor nicht zu kurz kommen soll. Moderiert wird die Veranstaltung u.a. von Journalist Christoph Krachten, der mit seiner Online-Talkshow "clixoom" zu den erfolgreichsten Webvideo-Machern Deutschlands gehört.
Die Webvideotage sind wie schon das Videocamp eine Veranstaltung, die für und von euch ist. Bitte tragt die frohe Kunde weiter. Beteiligt euch mit Ideen. Gestaltet den Preis durch eure Vorschläge mit.
Demnächst mehr
Detaillierte Informationen zum Webvideopreis folgen nach den Feiertagen im Januar 2011 auf www.webvideotage.de sowie auf Twitter und Facebook. Presseanfragen bitte an presse(at)webvideotage.de
Gelegentlich lasse ich mich hier ja über langweilige Werbung aus. Der folgende Spot des großartigen YouTubers Toby Turner fällt dagegen in die Rubrik: "Best of Pro".