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Wie viel sind 35 Stunden YouTube-Material?

Das weltstärkste Videoportal rennt von Rekord zu Rekord. Nachdem im März 2010 bereits 24 Stunden neues Videomaterial jede Minute hochgeladen wurde, ist das Uploadverhalten der Nutzer nun explodiert. Ganze 35 Stunden Material finden jetzt pro Minute den Weg auf das Portal. Spannende Frage, nicht nur für Netzneutralitätsinteressierte: Welche Datenmengen sind denn überhaupt 35 Stunden Videomaterial?

Aufgrund der vielen unterschiedlichen Formate, Kodierungen und Auflösungen ist höchstens von YouTube eine verlässliche Zahl kommunizierbar.

Machen wir dennoch für einen Moment eine Pi-Mal-Daumen-Rechnung auf und stellen uns den Durchschnitts-YT-User vor.

Als Videoformat nehmen wir optimistischerweise mp4 (h.264) an mit einer moderaten Bitrate von 1500 KBit/s und klassischer SD-Auflösung. Macht bei einer Minute Material 9 MB an Daten. Macht bei einer Stunde 540 MB. Macht bei 35 Stunden 18,9 Gigabyte.

Das heißt: Pro Minute werden 18,9 GB Video hochgeladen. Pro Stunde damit 1,134 Terabyte. Pro YouTube-Tag: 27, 216 TB.

YouTube selbst wettet schon auf den nächsten Rekord, 48 Stunden neues Material pro Minute. Womit der Traffic dann Pi-Mal-Daumen bei 40 TB pro Tag liegt. Wer das Ganze für HD ausrechnen will: Einfach die Datengröße verdoppeln (nach Adam-Pi-Mal-Daumen-Riese).

Klein, aber fein: Video-Serie "Hauskonzert"

Ich muss gestehen: "Deutschlands junge Online-Zeitung" Zeitjung kannte ich bis gestern nicht. Dabei hat das Münchner Portal ein durchaus interessantes Videoformat im Programm. Bei "Hauskonzert" machen Musiker das, was sie am Besten können: Musik.

Aufmerksame Zuschauer bemerken sofort: Hier wird mit DSLRs gearbeitet. Genauer gesagt mit einer 7D und einer 550D, wie mir Stefan Zinsbacher von Zeitjung erzählt. Die Erklärung ist ebenso einfach:

Die Bildqualität, die Farbintenität, ist einfach überragend, "wie im Kino", wenn man einmal auf dieser Ästhetik ist, wirken die meisten anders gefilmten Bewegtbilder irgendwie fahl, schal und blutleer. Durch die tiefenschärfe hat man natürlich sehr intime aufnahmen, vor allem sehr nahe mit einem lichtstarken 50er-Objektiv können unglaublich gut das Gefühl eines Sängers transportieren. Außerdem sind die Cams so schön klein, dass man den Künstlern nicht mit überdimensionalen Aufbauten usw. Angst macht, in die intime Welt ihrer Lieder eindringt, sondern immer eine sehr private Situation beim filmen entsteht, in der auch die Musiker sehr entspannt sind.

Besonders bei derartigen Musikvideos ist der Ton kriegsentscheidend. Stefan setzt deswegen als On-Camera-Lösung auf das bewährte Sennheiser MKE400, für besten Klang wird die Musiksession aber mit einem externen Aufnahmegerät verewigt.

Rechtlich bewegen sich die Videos in einer Grauzone. Zwar liegt für jedes Video eine Erlaubnis der Plattenlabels vor und Probleme mit der GEMA gab es bis jetzt noch nicht. Hilfreich mag hier die Wahl YouTubes als "Sender" zu sein. Googles Weltsender liegt derzeit weiterhin mit der GEMA im Klinsch, eventuell anfallende Zahlungen müssten trotzdem vom Portalbetreiber erfolgen. Oder YouTube wird das eine oder andere Video in Zukunft löschen.

Fazit

Mir gefällt vor allem die intime Stimmung der Videos, obwohl wenn es manchmal etwas zu sehr wackelt. Eine Prise Bewegtbildphilosophie muss dann auch noch sein: Stefan beschreibt den Produktionsvorgang durchaus als journalistisch, insbesondere was die Vorbereitung auf das Hauskonzert angeht. Insofern hält er es nicht für kritisch, derartig geschönte und von der Realität oftmals abweichende Bilder zu drehen.

Alle Videomacht dem Volk

via nyvs.com

Auf dieses Video der BBC-Journalistin Victoria Holt bin ich bei Michael Rosenblum gestoßen. Was das Video so besonders macht?

Zunächst ist es trotz der 8 Minuten nie langweilig. Es ist exemplarisch für den durch Rosenblum geprägten VJ-Stil. Statt Off-Text erzählt der Protagonist, Sequenzen werden mit Five-Shot aufgelöst, gedreht wird aus der Hand. Generell ist die Technik eindeutig nicht das bestimmende Element des Beitrags. In Zeiten von zunehmend übergekünstelten DSLR-Videos sehr erfrischend.

Rosenblum selbst stellt im Blog die Frage: "What happens when you empower people with video?" Das obige Beispiel zeigt, wie wertvoll das Handwerk sein kann. Kein großes Kamerateam und Location-Scouts, nur ein "600 Dollar plane ticket from London to Rwanda" und eine Woche vor Ort.

Noch nie war es so einfach, so günstig und so lohnend für guten Journalismus, auf bewegte Bilder zu setzen. Ohne die heutigen Möglichkeiten wäre diese Ruanda-Geschichte nie erzählt worden.

Worst of Pro (3): Wenn Versicherer Video machen wollen

Gong für Runde 3: Dieses Mal ein bekannter Krankenversicherer, der sich sinnbefreite Videos hat aufschwatzen lassen.

Weil kein Embedding möglich ist, hier nur der Link und die Handlungsanweisung: "Berater mit Video" auswählen und das Grauen genießen. Sorry, liebe DKV, damit schadet ihr euren Beratern mehr als es ihnen nützt.

So war das damals

Weil ich neulich gefragt wurde, was ich den früher (2007) so gemacht habe. Unter anderem dieses hier:

<p>Link: Willkommen im Untergrund</p>

Best of Pro (1): Bottom Out (Online Journalism Award 2010 - Video)

Wo Schatten ist, dort ist auch Licht: Es gibt sie, die guten innovativen Videogeschichten. "Bottom Out" zeigt in langen aber wertvollen 18 Minuten die Spielsucht Tony McDews in Las Vegas. Vom VJ gemachte Aufnahmen wechseln sich dabei mit selbst gedrehten Tagebucheinträgen des Protagonisten ab. Kein Hochglanz, keine Spezialeffekte, nur eine schön erzählte Geschichte.

(Der Video-Embed funktioniert leider nicht mit Chrome)

Die Las Vegas Sun hat zum Thema "Spielsucht" ein großes Special gebaut, welches Tony Geschichte nach allen Regeln der Kunst multimedial begleitet: Artikel über die Psychologie der Spielsucht, Google-Karte mit Treffen der Anonymen Spieler und eine virtuelle Slot-Maschine, die die Funktionsweise eben jener erklärt.

So sieht nicht nur guter Videojournalismus aus, so sieht guter Onlinejournalismus aus.

First Hands on: 23video

Zwei Fragen werden mir immer wieder gestellt: Warum trägt der Videopunk immer Anzug? Und: Welcher Videodienstleister ist der Richtige? Ersteres ist ein selbstgewählter modischer Anachronismus, die zweite Frage ist schwieriger zu beantworten als simple Gedankenspiele wie der Sinn des Lebens. Dennoch: Ein Videoservice hat es mir derzeit besonders angetan: 23video aus Dänemark.

Gleich vorweg: 23video erfindet das Videohosting nicht neu. Keine bahnbrechenden Neuerungen, kein Billigheimer-Preismodell und keine ultrahippen Vorzeigekunden. Trotzdem hat es das soeben gelaunchte Startup zu TNW und Techcrunch geschafft. Warum?

Weil 23video viele bekannte Dinge verdammt gut macht. Zwei Wochen lang hatte ich die Gelegenheit, das System vor dem Launch auf Herz und Nieren zu testen. Das CMS kann deutsch (wenn auch noch nicht perfekt), generell "arbeitet" es sich auf der 23-Oberfläche intuitiv.

Abseits der bekannten Branchenstandards glänzt 23video mit vielen kleinen Detailverbesserungen:

  1. Videos können für Google indexiert werden und tauchen somit als Video in den Google-Suchergebnissen auf.
  2. Umfangreiches Analytics-Modul: Für jedes Video kann die Engagement-Zeit ausgewertet werden. Unerlässlich für jede Bewegtbild-Strategie!
  3. Nutzern kann der Video-Upload erlaubt werden. Schön für UGC-Kampagnen.
  4. Der Player, die Videoseite, jedes kleinste Detail kann selbst angepasst und per guter API in die bestehenden Webauftritte eingebaut werden.
  5. One-Click-Distribution: Videos können direkt bei YouTube, Facebook, iTunes etc. in entsprechende Kanäle gestellt werden. Bei Facebook werden sogar erweiterte Statistiken gesammelt.

Dies sind nur einige der Dinge, die andere teilweise Dienstleister auch anbieten, aber eben nicht ganz so ausgeklügelt wie 23video.

Bleibt die Frage nach dem Preis: Mit 675 Dollar pro Monat richtet sich 23video eindeutig an Unternehmen und sehr engagierte Einzelpersonen mit gewissem Videooutput. Inbegriffen sind 1TB Traffic, was für die meisten Bewegtbildkunden reichen wird.

Mein Tipp: Die "Free Trial" nutzen und ausprobieren, ob das System die eigenen Bedürfnisse erfüllt.

 

Disclaimer: Videopunks ist Partneragentur von 23video in Deutschland.

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