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Warum wir ein öffentlich-rechtliches YouTube brauchen

Fazit der Podiumsdiskussion auf dem Videocamp Berlin: Die jetzige Rundfunkregulierung in Deutschland muss abgeschafft werden. Offen bleibt, wie die Verbreitung von Medieninhalten künftig reguliert werden soll. Ich fordere deswegen ein öffentlich-rechtliches YouTube.

 

Es gab wenig Konfliktpotenzial auf dem Panel. Sowohl Christoph Keese, Michael Praetorius, Christoph Krachten als auch ich waren uns schnell einig: Die heutigen Gesetze zum Rundfunk sind von vorgestern. Während Springer-Mann Keese auf eine Selbstregulierung als Ersatz zu den Landesmedienanstalten pocht, halte ich weiterhin eine demokratisch legitimierte Lösung aus öffentlicher Hand für unverzichtbar.

 

Die eigentlichen Probleme der Rundfunkregulierung liegen derweil nicht im Detail wie Sendeplan, Linearität oder der ominösen 500er-Grenze. Die Probleme bertreffen zwei grundlegende Pfeiler der heutigen Netzstruktur.

 

Oligopolen gleich geht die Masse des "Internetrundfunks" über die Portale der Big Player, allen voran YouTube als Bewegtbildmacht in den meisten Ländern der Welt. Selbstregulierung hieße, die Verantwortung für gesellschaftlich wichtige Faktoren wie Werberegulierung und Jugendschutzkontrolle in private Hände zu legen. Die Ergebnisse einer frühen Phase der Selbstregulierung sind jetzt schon beim Verhalten YouTubes zu sehen. Die Google-Tochter hat bereits mehrfach in der Vergangenheit in vorauseilendem Gehorsam gehandelt und bar jeder juristischer oder moralischer Zwänge Inhalte vom Portal entfernt. Ersichtlichster Beweggrund: Monetäre Interessen. An Stelle der Physik (Rundfunkfrequenzen) ist die Plattform selbst als Gatekeeper angetreten. Schon heute ist es so, dass Partnerkanäle über mehr Rechte (aber auch Pflichten) verfügen, als der gemeine Nutzer. Auch das Live-Streamen von Inhalten ist ein reines Premium-Feature, welches nur den ausgewählten Partnern zuteil wird.

 

Doch nicht nur die Plattformneutralität muss geregelt werden. Es bedarf ebenso einer Gleichberechtigung der Infrastruktur. Ohne Netzneutralität liegt die Entscheidung, wer wie schnell und in welcher Qualität senden kann, nunmehr bei den Telekommunikationsunternehmen. Diese stellen die Infrastruktur zur Verfügung - und müssen diese bewirtschaften. Doch wenn es um gesellschaftliche Kriterien geht, haben wirtschaftliche Erwägungen aus Unternehmersicht vorrang. Ich will niemandem kapitalistischen Raubbau unterstellen, aber ohne Vorschriften kann das Ignorieren gesellschaftlicher Überlegungen dieses berühmte eine Mal zu viel sein.

 

Wie müssten also Regelungen gestaltet sein? Zunächst einmal nicht national, auch wenn dies die Realität ist. Verstehen wir das Internet als unendlicher Hort globalisierter Sendefrequenzen, kann nur eine globale Regulierung effektiv sein. Leider ist eine Forderung nach auch nur minimalen Vorschriften auf UN-Ebene eher eine Geschichte aus dem Märchenbuch, als aus dem Science-Fiction-Roman. Zu heterogen sind die Interessen und die für derartige Kompromisse notwendigen moralischen Bedürfnisse der nationalen Akteure.

 

Es bleibt also als Ausweg nur, dem Bürger ein frei zugängliches, öffentlich finanziertes und durch eine demokratisch legitimierte Instanz kontrolliiertes Biotop zu bieten, in dem jeder Bürger mit Bewegtbild kommunizieren kann. Ein öffentlich-rechtliches YouTube. Wie dieses ausgestaltet werden kann, bleibt eine der wichtigsten Fragen unserer medialen und gesellschaftlichen Zukunft.

De-regulierter Rundfunk

Fürs Hyperland-Blog beim ZDF habe ich mal kurz aufgeschrieben, wie so die Zukunft des Rundfunks in Deutschland aussehen könnte. Weil: Die Medienanstalten sind mit der Gesamtsituation eher unzufrieden und beraten derzeit über eine Empfehlung, das ganze System doch kurzfristig zu kippen. Übrigens mag das im Hyperland-Text etwas sehr nach Konjunktiv klingen, dem ist aber nicht so. Kurz gesagt: Livestreaming (also quasi TV im Netz) könnte gesellschaftsfähig werden. Und damit noch mehr Businessmodell als jetzt.

 

Was bedeutet denn eine extreme Vereinfachung der Regulierung für den Otto-Normalbürger? Nach jetzigem Kenntnisstand kann Maurers Willi demnächst rund um die Uhr vor der Webcam sitzen, über seinen Schalker Karnevalsverein schwadronieren und damit eine Million deutsche Fußballfans an den Monitoren auf die Palme bringen. Das bedeutet: Die künstlich noch aufrecht erhaltene Monopol-Stellung der (privaten) TV-Sender als Masseninformationsmedium bricht endgültig zusammen.

 

Über das Livestreaming-Thema diskutieren wir übrigens an diesem Wochenende auf dem Videocamp in Berlin (u.a. mit Christoph Keese, Michael Praetorius, Christoph "Clixoom" Krachten, einem Kollegen der Gameliga ESL und mir, angeblich möchten gewisse Nasen wie Sascha Pallenberg, ein paar Kollegen von BILD.de und Co. auch vorbeikommen. Nein, Schlägereien sind NICHT erwünscht auf einem Barcamp).

Diskussionsrunde "Was ist künftig Rundfunk?" auf dem Videocamp Berlin

Als Organisatoren des Videocamps Berlin wissen Stefan Evertz und ich: Feste Programmpunkte gehören auf eine Konferenz und nicht auf ein Barcamp. Folgende "Session" finde ich aber spannend genug, sie jetzt schon zur Abstimmung zu stellen bzw. sie vorzustellen:

 

Die Diskussion um "Livestreaming" im deutschem Web hat vor einigen Wochen aufgrund meines Artikels beim ZDF für große Wellen in der Medienbranche gesorgt. Irgendwann kam es dann zur öffentlichen Debatte mit Springer-Cheflobbyist Christoph Keese. Bevor die Geschichte dann in die Urheberrechtssiedlung umzog. Und damit das Thema ungeklärt offen blieb. Wie muss denn Rundfunk in Zukunft aussehen?

 

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Das möchten wir auf dem Videocamp am 3. und 4. September in Berlin beantworten.

 

Hierzu könnte es am Samstag eine Podiumsdiskussion geben, deren Teilnehmer schon ihre Zusage gemacht haben.

- Christoph Keese (Konzerngeschäftsführer Axel Springer AG)

- Michael Praetorius (Publizist, hat 2010 Twitter als Rundfunk anmelden wollen)

- ein Vertreter der Medienanstalt Berlin-Brandenburg  (abgesagt)

- meine Wenigkeit

- ein weiterer Medienvertreter mit Erfahrungen im Livestreaming-Bereich

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Hallo mal wieder, Herr Keese

Leider ist unsere öffentliche Diskussion vergangene Woche ins Stocken geraten. Nachdem Sie jetzt Ihren Ablassbrief unterzeichnet haben, können wir vielleicht wieder sachlich über das Thema "Livestreaming" reden. Denn ich finde, wir können gar nicht genug darüber reden. Bewegtbild im Netz wird mittelfristig zum bestimmenden Kommunikationsmittel im und außerhalb des Internet werden.

In unserem langen Telefonat am Freitag haben Sie vorgeschlagen, wir mögen doch Diskussionen in Zukunft über die eigenen Blogs führen. Dies würde die Übersichtlichkeit erleichten. Wohl an.

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Posterous theme by Cory Watilo