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Schämt euch.

#Bloggergate ist da. Und kaum einer findet das Geschäftsgebaren der Beteiligten komisch. Anrüchig. Oder gar schlimm. Weder SEO noch die Untiefen der deutschen Blogosphäre sind mein Fachgebiet. Was ich aber einfach nur penetrant beschämend finde, sind die Reaktionen bei Twitter und in den Kommentaren auf Sascha Pallenbergs Artikel.

Wenn es um Meinungsfreiheit und den immerwährenden Kampf Blogger vs. Journalisten geht, wird die große Transparenzkeule geschwungen. Blogger sind ehrlich. Blogger sind vielleicht käuflich, aber das nach Ansage. Anscheinend viel heiße Luft, um das eigene Samariter-Ego zu streicheln. Meinen manche Blogger etwa wirklich, mit einer derartigen Janus-Haltung in den digitalen Himmel zu kommen? An Petrus Stelle würde ich diesen Möchtegern-Meinungsmachern einen kräftigen Arschtritt in den Keller verpassen.

Die Argumentation "aber das wird doch schon länger so gemacht und es machen doch eh alle mit" ist so löchrig wie ein Schweizer Käse. Es muss anscheinend immer Leute geben, die dummen Ideen mit ausgestrecktem Arm hinterherlaufen.

Schämt euch.

Die Sache mit den Webvideotagen oder: #wvt11

Es war etwas still hier und das wird es auch noch etwas länger bleiben. Die Entschuldigung findet sich manifestiert als Webseite unter Webvideotage.de. Wer das Projekt noch nicht auf dem Schirm hat: Wir (d.h. Stefan Evertz und Christoph Krachten) haben zusätzlich zum Videocamp eine kleine Preisverleihung für die besten deutschen Webvideos geplant. Und weil wir junges Netzvolk im Zeitökonomie-Unterricht in der Grundschule fehlten, haben wir kurzerhand das Planen mit dem Machen verwechselt.

Nun bleibt uns nichts anderes übrig, als diese kleine Preisverleihung über die im Kino nicht vorhandene Bühne zu bringen. Wer braucht schon Schlaf, Freizeit oder andere altmodische Dinge.

Was wir aber weiterhin dringend brauchen: Eure Unterstützung. Das Projekt ist eine non-profit-Aktion, mit dem gesammelten Sponsoring-Geld werden Lieferanten, Miete und Technik bezahlt. Wir ihr uns unterstützen könnt: Macht Werbung für www.Webvideotage.de, twittert es, bloggt euch die Seele aus dem digitalen Leib, legt euch ein Dutzend Facebook-Konten an und liked euch die Finger wund (oder besser nicht).

Für die optisch veranlagten Meinungsmacher folgen jetzt die offiziellen Logos (Danke an @cvonposer !) zur mannigfaltigen viralen Vertröpfelung im digitalen Gewässer.

(Special-Edition in transparent)

Es ist eine Lüge für den guten Zweck

Es war einmal ein Werbespot, der spaltete eine Region. So oder ähnlich wird man in wenigen Jahren über den Versuch dreier junger Sauerländer sprechen, ihrer Region einen Stempel aufzudrücken, der viel zu groß war.

Ich möchte an dieser Stelle gar nicht erneut auf das Wie, Was und Warum eingehen. Der Versuch ist löblich, das Engagement sicherlich erwähnenswert. Und dennoch schießt das Projekt meilenweit am Ziel vorbei.

Lauschen wir einem der Initiatoren bei WDR, wird schnell das ganze Debakel offensichtlich.

"Das ist ja Werbung und da ist häufig etwas gelogen. Es ist nicht ganz gelogen, es stimmt ja von Arnsberg. Und es ist ja eine Lüge für den guten Zweck."

Im Kern geht es darum, dass die im Spot angepriesenen, und nicht ganz ernst gemeinten Entfernungen nicht stimmen.

Es ist genau dieses Mantra, dass junge Leute scharenweise vor Werbung flüchten lässt. Es ist genau diese antiquierte Geisteshaltung, die in Zeiten des digitalen Wandels die sich verschiebende mediale Rezeption ignoriert. Und es ist genau der Grund, warum sich in Kürze keiner mehr an diese Aktion erinnert wird.

"Das Etikett soll nicht größer sein als der Sack."

Lukian (griechischer Satiriker)

Erster! Ein frohes neues Jahr 2011!

Einer muss ja damit anfangen. Und weil Sylvester Silvester mittlerweile genauso verkitscht ist wie Weihnachten und andere weltliche Feiertage, steht das folgende Video ganz im Zeichen der Zeit.

Not quite the World after Advertising

Ich tue mich schwer mit Werbung. Vielleicht liegt das daran, dass ich zu einer Generation gehöre, die allergisch auf die bisherigen Brüllmethoden reagiert. Oder dass ich meine Kaufentscheidungen schlichtweg nicht mehr von Unternehmensversprechungen abhängig mache. Jedenfalls war ich umso gespannter, was der Kongress "The World after Advertising" in Düsseldorf an Innovationen aufzeigt. Und ich muss gestehen: Wenn Werbung in Zukunft so aussehen sollte, dann werde ich weiterhin einen großen Bogen um sie machen.

Vielleicht war meine Erwartungshaltung angesichts des Veranstaltungstitels zu hoch. Gut, es gab viele schöne Beispiele. Wie Real Madrid die gesamte Klaviatur des Social Media spielt, wie Kodak alle Plattformen bespielt und selbst bei Dinosauriern wie IP Deutschland die Erkenntnis durchsetzt, dass blanke Reichweite nicht mehr ganz so wichtig ist.

Was mir bei den Vorträgen und Diskussionen gefehlt hat, war die Vision. Die Vorstellung von dem, wie Werbung im Jahre 20xx aussehen könnte. Rühmliche Ausnahme mal wieder: Werbeikone Amir Kassaei. Er geizte nicht mit schmissigen One-Linern wie "Es gibt kein Social Media". Bewusst provokant versuchte er, den Gästen den Spiegel vorzuhalten. Wobei ich mich frage: Wie verklickert der Kreativchef einer der größten Agenturen seinen Kunden diese Visionen? Seine Wandlung vom Saulus zum Paulus nehme ich ihm anhand des Vortrages nicht ab. Wo waren die eigenen Positiv-Beispiele, um die Argumentation zu unterstützen?

Der Tag in Düsseldorf wirkte wie eine nüchterne Bestandsaufnahme. Die meisten Referenten zeigten das, was seit zwei Jahren Standard sein sollte. Nur wenige ließen durchblicken, was sein könnte und heute sein müsste. Positiv: Medienanalyst Ken Doctor.

Die inhaltliche Kritik fällt mir umso schwerer, da die gesamte Veranstaltung ansonsten äußerst rund war. Vom Austragungsort (Rheinterrassen), über funktionierendes WLAN, Catering bis zur Netzwerkmöglichkeit neben und nach den Vorträgen. "The World After Advertising" braucht sich bereits nach der Erstauflage nicht hinter anderen Konferenzen zu verstecken. Deswegen hoffe ich auf eine Fortführung 2011. Und dann bitte mit mehr Visionen.

AppleTV oder: Die vergebene Chance

Der Kampf ums Wohnzimmer ist entbrannt. Neben Google, Boxee und Roku wagt Apple den steinigen Weg ins Heiligtum netzaffiner Haushalte. Leider ist Apples zweiter Versuch einer Videobox nur ein uninspirierter Versuch, den die Konkurrenz mittelfristig ins digitale Vergessen schicken wird. Warum AppleTV ein Flop ist?

Auf den ersten Blick wirkt das kleine Kästchen wie ein typisches Apfelprodukt: Minimal-Design, viel Wundertechnik in kleinstmöglicher Größe, iTunes als vertrautes Paid-Content-Backend. Nach drei Wochen Alltagstest haben sich diese vermeintlichen Vorzüge aufgebraucht. Die Box steht nun wie andere Geräte im Multimedia-Rack, aufgrund der kleinen Größe sehr unauffällig und iTunes ist nur eine Einstiegsdroge. Das Filmschauen auf Knopfdruck befreit, aber irgendwann reicht diese Dosis nicht mehr.

Wenigstens gibt es einen Menüpunkt für YouTube, andere Webservices hingegen fehlen. Auch die Airplay-Technologie, in der z.B. vom iTunes des Macbooks Filme und Musik auf die Apple-Box geschickt werden können, stößt schnell an seine Grenzen. Akzeptiert werden nur iTunes-kompatible Dateiformate.

Wer eine gut gemasterte Blu-ray auf einem FullHD-TV gesehen hat, will in Zukunft keine Qualitätskompromisse mehr eingehen. Leider ist dieser bei AppleTV eingebaut. Mehr als 720p spuckt das Kästchen nicht über den HDMI-Stecker.

Doch dies sind alles nur mehr oder weniger kleine Ungereimtheiten. Das größte Manko ist gleichzeitig Apples größte Innovation und Einnahmequelle: Apps. Diese fehlen hier gänzlich. Zwar basiert AppleTV wie iPhone, iPad und iPod Touch auf dem Betriebssystem iOS. Apps werden dagegen auch in Zukunft kaum den Weg auf den Fernseher finden: Kein externes Speichermedium kann angeschlossen werden, der interne Speicher ist mit 8GB ebenso klein wie das Gehäuse dimensioniert.

Allerdings ist Apple weiterhin Apple: Genügend Käufer wird die Box allein aus Fankreisen anziehen. Insofern könnte eine Version 3 von AppleTV den Weg in die Wohnzimmer besser meistern. Fraglich nur, ob angesichts der starken Konkurrenz der Platz im Multimedia-Rack nicht schon vergeben ist.

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