Quo vadis, Webvideo? (1)

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16. August 2010 // Uncategorized

Webvideos und TV-Bewegtbild verschmelzen. Google TV, Apple TV, YouTube serienmäßig auf dem neuen Fernseher - für viele mag hiermit eine Vision in Erfüllung gehen. Ich will und kann mich damit nicht zufrieden geben. Videos im Netz können so viel mehr sein, als ein Wiedergänger aus analogen Zeiten.

So sehr es Fernsehhäusern und Verlagen mit ihren Regionalsendern gefallen mag: Die Entwicklung zur ultimativen Syndizierungsbranche ist langfristig verheerend für die Weiterentwicklung des Bewegtbildes. Schon jetzt sind erste Auswirkungen spürbar: Der kreative Umgang mit dem Stilmittel Video ist erschlafft. Multimediale Erzählweisen bleiben auf der Strecke.

Ich finde es erschreckend, dass wir nach mehr als drei Jahren Diskussion immer noch miterleben müssen, dass Videos, fein säuberlich in sich selbst verpackt, auf separaten Videoseiten darben. Dabei bietet das Internet - egal auf welchem Trägermedium - die besten Voraussetzungen für ein kontextuales Geschichtenerzählen.

Selbst die von mir so geliebte iPad-App des Wired-Magazins nutzt diese Vorteile nur halbherzig. Videos werden in die Artikel integriert, führen aber weitestgehend ein Eigenleben. Sie könnten, losgelöst vom Kontext, für sich allein stehen. Dass diese Eigenständigkeit von nahezu allen Videoproduzenten als Erfolgsfaktor propagiert wird, zeigt die Misere.

Vor zwei Jahren habe ich den Versuch gewagt, und bewusst in den Kontext versponnene Videos erstellt. Der Text wird von den Clips angereichert, wiederum fehlt vielen der Videos ohne eben diese Verpackung der sinnstiftende Kontext. (Leider hat der aktuelle Relaunch die korrekte, am Text ausgerichtete Positionierung der Videos zerwürfelt.)

Eine vernünftige Symbiose aus Video und anderen journalistischen Darstellungsformen schlägt sich zudem in Zahlen nieder: Speziell “in” den Text produzierte Videos erreichen bis zu zehnfach höhere Abrufzahlen, als vergleichbare Bewegtbilder im Videobereich bzw. den sogenannten Multimedia-Boxen auf Start- und Unterseite(n).

Leider - und mir unverständlch - gibt es kaum aktuelle Beispiele dieser kontextualen Videonutzung. Stattdessen wird Bewegtbild erneut in hübsche Förmchen gegossen. Wiedergänger, ich hör dir trapsen!

 

(Im nächsten Teil “Quo vadis”: “Progressive Webvideo-Journalism”)

 

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