Die Sache mit den integrierten Webvideos

Noch ist nicht alle Hoffnung verloren! Monatelang herrschte Stillstand im Webvideo-Sektor. Neue Formate waren Mangelware, neue multimediale Erzählformen mussten mit der Lupe gesucht werden. Das wird sich hoffentlich bald ändern.

 

Wie ich zu der Vermutung komme?

 

Vergangene Woche war ich Referent bei ver.di in Berlin. Natürlich ging es um Webvideo, natürlich sind die Probleme einer großen Gewerkschaft ähnlich groß wie bei Verlagshäusern. Darum soll es hier aber nicht gehen. Spannend war vielmehr, was die übrigen Referenten - ohne Absprache - auf den Punkt brachten. Eine Erkenntnis, die immer schon da war, aber kaum konsequent umgesetzt wird.

 

Webvideos leben vom kontextualen Umfeld

 

"Der Nutzer sucht nach Inhalten, nicht nach Medien", verdeutlichte Stefan Raue, stellvertretender Ressortleiter Innenpolitik (ZDF) den Gedanken. Die Ergänzung von Textberichten mit Bewegtbild werde stetig zunehmen. Übrigens auch ein Trend, den sich die Öffentlich-Rechtlichen, allen Kritikern zum Trotz, nicht verweigern könnten. Hier liegt noch genügend Sprengstoff für hitzige Debatten.

85 Prozent über Kontext

Reden sind schön, Argumente besser. Vorallem wenn sie mit Zahlen untermauert werden. Rainer Zugehör, Geschäftsführer des Video-Services movingimage24 konnte und wollte keine konkreten Daten nennen. Nur so viel: Spiegel Online (ein movingimage24-Kunde) generiere nur einen geringen Prozent seiner Videoabrufe über den Video-Bereich des Portals. Der Großteil Prozent würde über "integrierte Videos" in Artikeln geholt.

Auch wenn die Zahlen vernichtend für den Video-Bereich eines News-Portals klingen mögen: Vielen Nutzern dient die Video-Sektion weiterhin als Tor zu Video-Welt. Der Nutzen würde aber weitestgehend überschätzt, zu viele Ressourcen dafür aufgebraucht.

Was bedeutet....

 

.... dass Video-Portale wie YouTube oder Mediatheken eine gewisse Klientel bedienen. "Die sind aber im Gesamtvolumen zu vernachlässigen. Das Gros der Abrufe wird über die eigenen Seiten und Kontexte generiert", sagte Zugehör.

Der Weg stimmt

Auch wenn in diesen Sätzen und Zahlen Hoffnung liegt: Noch sind wir nicht am Ziel angekommen - falls wir es jemals sein werden. Noch werden sinnpassende Video-Beiträge den Texten zugeordnet. Für die Masse des Contents wird das kurzfristig so bleiben. Allerdings wird sich das Vermischen von Medien im Netz weiter beschleunigen.

Die Chance

Die wahre Chance, und damit meine Hoffnung liegt im sinnvollen Verknüpfen von Bewegtbild und anderen Darstellungsformen. Video-Schnipsel, die einen Reportage zum Leben erwecken. Animationen, die den Sachtext verständlicher machen. Diese sinnvolle Kombination aus Bewegtbild und Content ist allerdings noch Mangelware. Noch. Oder?

 

Nachtrag:

Korrektur: Spiegel Online ist kein Kunde von movingimage24.

Guck-Tipps (1)

Gelangweilt vom deutschen Trash-TV? Für Lost gibt es noch nix im P2P? Der DVD-Player streikt? Dann einfach ins Web gucken.

 

Riese

Hier dreht sich alles ums große Thema "Steampunk".

Riese the Series

On YouTube

 

Acting School Academy

DSDS in gestellt und in Hollywood mit gescheiterten Darstellern.

Acting School Academy

On YouTube

 

Nostalgia Critic

Kindheits- und Jugenderinnerungen mit den Augen eines Erwachsenen betrachtet. Achtung: Mythos-Zerstörung!

Nostalgia Critic

Für die letzten Winterabende

Der Schnee wird vom Regen abgelöst, in meiner Wohnung ist es trotz defekter Heizung nicht mehr kalt und mein weißer Anzug kommt nächste Woche aus der Reinigung. Der Winter geht. Genießen wir die dunklen Tage mit etwas melancholischer Musik.

 

Dredg - Pariah

 

Twilight Singers - Teenage Wristband

 

Editors - You don't know love

 

Element of Crime - Wenn der Winter kommt

 

White Lies - to Lose my life

Backe backe Kuchen, die Verlage haben gerufen

Nun streiten sich die Verlage mit Google vor dem Bundeskartellamt. Irgendwie süß, dieses argumentationslose Flennen ehemaliger Informations-Oligopolisten.

Deutsche Verlage, in diesem Fall hoheitlich durch VDZ und BDZV vertreten, wollen etwas vom Googleschen Werbekuchen abhaben. Noch mehr: Sie wollen wissen, wie Googles Suchmaschinenmechanismus funktioniert.

Ein Gegenvorschlag an die Sandkasten-Fraktion aus Berlin: Legt doch bitte ebenso eure Geschäftsmodelle offen. Wie bitte? Print will nicht so und Online - nunja - da wird noch gesucht? Und die Plastikförmchen gehören ohnehin euch?

Statt neue Kuchen-Förmchen zu entwickeln, wird eifrig auf den Jungen am Sandkasten-Rand geschimpft. Dabei macht der Nachbarsjunge nichts anderes, als seinen Freunden von den tollen Sandkuchen zu erzählen. Für den einen oder anderen Tipp lässt er sich gern zum Schokoeis einladen.

Weil das Spielen mit Förmchen auf Dauer hungrig macht, wollen die Content-Bäcker mitschlecken. Denn immer weniger Betrachter der Sandkuchen sind bereit, für die zunehmend lieblosen Kreationen eine Eintrittsgebühr zu verlangen. Konsequenz: Die Sandkuchen-Fraktion versucht, den Nachbarsjungen mittels Harke, Spaten und fliegenden Kieselsteinen zum christlichen Teilen zu überreden.

Doch das, liebe Verlage, gehört sich nicht. Weder dort draußen an der Spree, noch im heimischen Sandkasten. Das zeugt nicht nur von schlechter Erziehung. Es ist vorallem kindisch.

Kostenlos Hulu und Vevo gucken - so geht's

Der Traum eines jeden Serienjunkies: Hulu, die US-Videoseite beherbergt ein riesiges Archiv an Video-Klassikern und stellt aktuelle Serienhits zum HD-Vergnügen bereit, wenn auch nur für einen befristeten Zeitraum. Vevo soll das MTV der Internet-Zeit sein. Doch wir Germanen schauen auf einen schwarzen Bildschirm: Für Nicht-USler ist der Video-Genuss aus Lizenzgründen gesperrt.

 

Wie es dennoch geht?

Die kostenlose Software Hotspot Shield installieren, im Browser diesen Software-Proxy anschmeissen und schon wird vorgegaukelt, man surfe vom amerikanischen Sofa.

Aber Achtung: Die vermeintliche Gratis-Software schiebt gern Werbetafeln ins Surfvergnügen. Und regelmäßig taucht eine gesponsorte Startseite auf. Dies alles aber nur, wenn die Software aktiviert ist. Den digitalen Besuch der Sparkasse würde ich demnach nicht damit unternehmen.

Star Wars: Uncut

Unter dem Titel Star Wars: Uncut werden über Vimeo sämtliche Szenen des Filmes von Usern nachgespielt - Stück für Stück, Shot für Shot. Und: Das Projekt ist zu 98 Prozent fertig. Freuen wir uns also auf einen baldigen Popcorn-Abend mit Luke, Darth und Co.

 

News mit einer DSLR? Wohl kaum...

Mit kindlicher Verwunderung habe ich diesen Beitrag von Matthew Allard gelesen und gesehen. News mit einer DSLR? Das klingt nach einer noch größeren Revolution im Bewegtbildbereich, als das Faktum "Foto goes Video" an sich. Doch schließt für einen Moment die vor Begeisterung weit aufgerissenen Augen: Das was Mr. Allard unter News versteht, hat mit unseren NIFs nicht viel am Sensor.

Schauen wir uns zunächst den mit einer Canon 7D gedrehten Beitrag an:

Ich finde den Beitrag äußerst gelungen, sowohl inhaltlich als auch stilistisch. Ein Thema, welches förmlich nach tollen Bildern schreit.

Allerdings - und das ist das größte Manko - steht der Produktionsaufwand auf der falschen Seite der News-Straße.

The shoot took about 4-5 hours to do.

Für eine klassische News wird es an dieser Stelle schon knapp.

Aber weiter:

The whole edit took about 7-8 hours to do as I spent a lot of time fiddling with it and making slight adjustments – I was running five tracks of audio.

Nun mag man/frau argumentieren, dass diese Produktionszeit für das Ergebnis in Ordnung gehen möge. Aber 5 + 8 macht bei mir immer noch 13 Arbeitsstunden.

Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie dieses im Alltagsgeschäft deutscher Privatsender aufstoßen würde. Oder noch extremer: Bei eher Buchstabenlastigen Medienhäusern. Der Trend geht dort eher zu Flip-Bewegtbildern.

So aufregend die schöne neue DSLR-Welt auch ist: Sie bleibt zunächst weiterhin der fiktionalen und der dokumentatorischen Schiene vorbehalten. Halt allem, was nicht bei Drei schon auf dem Sendemast sitzen muss.

A wie Aus für Audio-Slideshows

Was haben wir sie vergöttert: Diese kleinen feinen Videos bewegten Bilderstrecken. Gar als stilistisches Standbein neben Text, Foto und Video wurden sie gehandelt. Kollege Fabian Mohr hat sich dazu Gedanken gemacht. Fiete Stegers fasst die Entwicklungen zum Thema zusammen. Und beide kommen zu dem Schluss: Audio-Slideshows werden es schwer haben.

 

Bereits im Januar 2008 habe ich mir ähnliche Gedanken dazu gemacht:

1. Slideshows "spulen" die Fotos selbst weiter. Und generieren dadurch weitaus weniger Klicks als herkömmliche Bildergalerien.

2. Slideshows sind auf den ersten Blick "Videos light". Eben nur weniger Bilder/Sekunde....

3. Der Produktionsaufwand, im Vergleich zu Video, ... ist meistens sogar größer.

4. Das Publikum kennt diese Art des Journalismus praktisch nicht. Zumindest nicht in Deutschland.

5. Die in Flash erstellten Slideshows können nicht ohne Probleme in jedes Redaktions-CMS eingebunden werden.

6. Frage nach der Bezahlung: ... welche Vergütung ist für eine Soundslide-Show angebracht?


Bei der WAZ-Mediengruppe war das Thema die vergangenen drei Jahre immer mal wieder auf dem Schirm. Auch wir haben damit experimentiert. Und nach einigen Versuchen das Stilmittel zu den Akten und Soundslides in den Papierkorb geschoben.

Ausschlaggebend war nicht das User-Feedback - dieses war durchgehend positiv - sondern schlicht ökonomisches Kalkül. In Zeiten der Ressourcen-Knappheit (sowohl zeitlich, personell als auch monetär) gehen vermarktbare Formate, d.h. derzeit Video, vor.

Mit der Bildung des WAZ-Fotopools, in dem alle Fotografen der WAZ und NRZ gebündelt sind (und jetzt wie DerWesten zu WAZ NewMedia gehören), ist das Thema erneut aufgetaucht. Auf die 6 Punkte gibt es aber weiterhin keine Antworten.

Dennoch:

Ich halte trotz der Bedenken Audio-Slideshows für eine manchmal sinnvolle journalistische Darstellungsform. Und die Diskussion um den Sinn und Unsinn selbiger für äußerst wichtig. Nicht zuletzt ist sie exemplarisch für viele Experimente im deutschen Journalismus: Dieser Tage zählt nur die Zahl, die eine Darstellungsform hervorbringt.

Ein Format, welches sich ähnlich schwer mit dem Einzug in Redaktionen tut, sind übrigens die kleinen, in Text eingebetteten Videos. Aber dies steht auf einem anderen Blatt.

Posterous theme by Cory Watilo