Collapsus - Öko-Multimedia aus Holland

Wunderbares Multimedia-Projekt aus den Niederlanden (wenn auch mit reichlich US-Unterstützung), welches ich bis dato nicht auf dem Schirm hatte: In "Collapsus" geht es um eine Zukunft ohne fossile Brennstoffe, hin zu alternativen Energiequellen. Das Thema mag dröge klingen, die Umsetzung ist es nicht. Produziert von Tommy Pallotta (für die innovative Technik bei A Scanner Darkly verantwortlich), spielt "Collapsus" mit verschiedenen Stilmitteln. Während die Geschichte fiktional ist, sind die eingestreuten Doku-Aufnahmen echt. Sie stammen aus einer niederländischen TV-Dokumentation.

Ohne weitere Worte: Einfach einen Abend in die Welt von Collapsus abtauchen. Es lohnt sich.

 

Update: Danke für den Hinweis mit den Access-Codes. Ich bin dran.

Einfach nur Journalismus

Neulich war ich zu Besuch bei der ard.zdf medienakademie in Hannover. Zwei Tage sollte es um Social Media gehen. Gekommen waren rund 50 Redakteure nahezu aller Sendeanstalten. Junge, aber auch gestandene Radio- und TV-Profis. Manche mit Netz-Erfahrung, einige ganz internet-jungfräulich.

Sie wollten von uns Referenten lernen: Was bedeutet Social Media für unsere Arbeit, wie können wir Facebook und Konsorten nutzen?

Zwei Tage diskutierten sie, berichteten aus ihrem Arbeitsalltag, lernten Neues, schmissen Altes über Bord.

Doch was mich am Tiefsten beeindruckte: Diese vermeintlichen Journalismus-Beamten, sie sprachen freier, ja begeisterter über ihren Beruf, als ich es je gedacht hätte.

Warum?

Weil keine der Diskussionen bereits im Kern mit Schlagwörtern wie "Refinanzierbarkeit" und "Vermarktbarkeit" erstickt wurde. Ja, das GEZ-gefütterte System hat viele Fehler und bedarf einiger Überholungen. Aber wenn jemand nur einen einzigen Grund für den Erhalt dieses Systems sucht, er hätte ihn dieser Tage in Hannover gefunden.

Man/frau mag es nicht glauben, aber während dieser zwei Tage ging es tatsächlich um Inhalte. Um das Erzählen von Geschichten, das Aufbereiten von Informationen, das Abbilden von Wirklichkeit, das Erklären des Alltags. Kurz gesagt: Es ging um Journalismus.

Niemand ist nun so naiv, und erklärt die öffentlich-rechtlichen Sender für problembefreite Zonen, für Miniversen der Glückseligkeit. Auch bei der ARD werden Zahlen beäugt, und beim ZDF Projektkalkulationen durch Ausschüsse und Gremien gejagt. Das sogenannte "Evaluieren" gehört zum Redaktionsalltag dazu. Ebenso wie Politik. 

Ich hoffe, dass die Teilnehmer den einen oder anderen aufgeworfenen Gedanken in ihren Sendeanstalten verbreiten. Eines haben sie mich auf jeden Fall gelehrt: Journalismus ist keine Frage des Budgets, des Parteibuches oder des Arbeitgebers. Es ist und bleibt eine Frage der geistigen Haltung. Ja, das klingt geschwollen. Und trotzdem ist es keinen Pfifferling weniger wahr.

 

Im Projektblog gibt es Videos, Texte und Fotos von den Teilnehmern und den Referenten, u.a. Paul Bradshaw, Mercedes Bunz, Katie King, Jens Schröter ...

 

 

Webvideo: Unternehmen setzen auf iOS, Android weit abgeschlagen

Klares Ergebnis der Studie von Brightcove und TubeMogul: 100 Prozent der befragten Unternehmen planen, ihre bestehenden Video-Aktivitäten im mobilen Sektor für Apples Betriebssystem iOS4 auszubauen. Nur ein Viertel setzt in den nächsten Monaten auf Googles Android. Die restlichen Systeme (RIM, Symbian, Windows Mobile) kommen zusammen auf 45 Prozent.

Dabei ist der Smartphone-Markt noch längst nicht bei den meisten Unternehmen im Marketing-Mix angekommen: Lediglich 40 Prozent nutzen den mobilen Sektor für ihre Aktivitäten.

Im Folgenden die Trends bei den übrigen Webvideo-Aktivitäten:

Auswärts schmeckt's am Besten

Während im Schnitt 2,6 Prozent der Inhalte auf externen Seiten geschaut werden (bei Medienunternehmen sind dies 6,5 Prozent), ist die Nutzungslänge deutlich höher, als auf der eigenen Markenseite. Die Nutzung beträgt "Zuhause" 1:02 Minuten, außerhalb 1:42 Minuten.

Webvideo gehört dazu

Bereits 85 Prozent nutzen Bewegtbild im Netz als Kommunikationsmittel, 60 Prozent planen sogar, diesen Bereich in den nächsten 12 Monaten auszubauen.

Alles auf YouTube

Googles Mega-Videoportal gehört für 92 Prozent der Befragten in die Kategorie "Pflicht", immerhin 12 Prozent nutzen das Video-Netzwerk für exklusive Platzierungen. Ähnlich Facebook: 90 Prozent des Video-Contents wird dort syndiziert.

User-Generated-ja/nein

Während der Trend zu Webvideo im Allgemeinen und sozialen Netzwerken im Besonderen eindeutig ist, sind sich viele Unternehmen ob des Einsatzes von UGC unsicher. Nahezu die Hälfte der Befragten setzt weiterhin ausschließlich auf professionelles Bildmaterial.

Für die Umfrage im Rahmen der aktuellen Bewegtbild-Studie hat Brightcove Unternehmen aus USA und Europa befragt, nach eigenen Angaben sind darunter ein Großteil der börsennotierten Großkonzerne. Gegenstand der Befragung und Untersuchung waren die Aktivitäten im Werbe- und PR-Bereich, sowie E-Commerce. Ausgenommen waren Werbeclips (z.B. Pre-Rolls).

 

 

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Facebook und Twitter werden zum wichtigsten Verlinker von Webvideos: Das geht aus einer aktuellen Studie des Video-Plattform-Anbieters Brightcove und der Syndizierungs-Plattform TubeMogul hervor. Demnach wachsen die durch soziale Netzwerke verlinkten Video-Abrufe stärker als über herkömmliche Suchmaschinen. 81,9 Prozent der Video-Abrufe finden direkt auf der originären Plattform statt. Bei den restlichen Zugriffen erweisen sich Google (64 Prozent) und Yahoo (11,9 Prozent) als die Klickbringer. Zwar liegen Facebook (4,9 Prozent) und Twitter (1,2 Prozent) weit dahinter. Die Zuwachsraten sind allerdings enorm: Sollte das Interesse an Bewegtbild in sozialen Netzwerken weiter anhalten, könnte Facebook binnen eines Jahres auf den zweiten Platz vorrücken.

Zudem glänzt Facebook bei einer weiteren wichtigen Kennzahl: Professioneller Video-Content wird durch die Verlinkung deutlich stärker von den Zuschauern angenommen, was sich in geringeren Abbruchquoten und damit einer längeren Nutzungsdauer widerspiegelt.

 

Einbruch bei Nutzungslänge

Im Vergleich zum ersten Quartal 2010 kämpfen die Video-Anbieter mit geringeren Nutzungslängen. Lediglich TV-Inhalte werden länger angeschaut. Dies zeigt sich ebenfalls in der Abbruchquote, die bei Angeboten von Online-Medien am geringsten ist: Immerhin 42,76 Prozent der Videos werden zu Ende angeschaut. Herber Rückschlag für die Video-Angebote von Zeitungs-Medien: Nach 41,23 Prozent im Q1 halten nur noch 33,05 Prozent der Zuschauer ein Video bis zum Schluss aus.

Einbetten wirkt

Erstmals wurden in der Studie die Anbieter-Gattungen und ihre Embeds untersucht. Während externe Video-Plays bei den meisten Seiten kaum eine Rolle spielen, liegen die Außer-Haus-Zugriffe bei Zeitungs-Angeboten bei 13,6 Prozent. Negativer Effekt: Die durchschnittliche Nutzungsdauer liegt bei extern eingebunden Videos deutlich unter der geschauten Länge auf der originären Seite.

Sonderfall Europa

Die unterschiedliche Struktur des europäischen Webvideo-Marktes im Vergleich zu den USA zeigt sich vor allem in der Aufschlüsselung der Gattungen: Die Video-Angebote der Radio-Stationen werden in den USA acht Mal häufiger abgerufen. Sieger in diesem Markt: Der asiatische Raum (APAC). Zwar liegt Europa bei den Abrufen von TV-Inhalten auf Platz zwei: Die Abbruchquote ist dagegen alarmierend. Bereits nach 30 Sekunden steigen die Zuschauer aus.

Demnächst: Betrachtung der Zahlen im PR- und Marketing-Bereich.

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Dumm ist der, der Dummes tut - #sg #bsf und Co.

Vielleicht bin ich zu jung - oder zu alt - für diese Verdummungs-Maschinerie im Fernsehen. Vielleicht versuche ich nur, mein letztes Quentchen Qualitätsbewusstsein durch den Medienwandel zu retten. Deswegen: Ich verstehe zum Verrecken nicht, warum sich ein halbwegs intelligenter Mensch vor die Glotze setzt und sich freiwillig durch diese Scripted-Reality-Formate quält. Und währenddessen oder im Anschluss über diese verschwendete Lebenszeit mosert.

Selbst BLÖD-Lesern sollte aufgefallen sein, dass keine dieser Pseudo-Dokus auf Pfeilern der Wahrheit ruhen, diese Formate vor Billigheit nur strotzen und medien-historisch in der Ablage P landen werden.

Während Millionen dumm-fauler Berieselungsbauern wenigstens nur ihr Gehirn mit dem Blödheitsbrei füttern, herrscht auf Twitter und Co. der Ausnahmezustand. Hashtag über Hashtag flirren #sg und Konsorten über die Timeline. Eigentlich hilft da nur konsequentes Entfollowen. Uneigentlich heißt das: Zu Stoßzeiten diverse Kanäle meiden: "Aufmerksamkeitshygiene".

Liebe Anhänger des Unterschichten-Fernsehens: Überlegt in der nächsten Werbepause bitte, was ihr macht. Einerseits nach Stille schreien, wenn es um Sarrazin oder BLÖD geht, aber den nächsten Sonntag wieder Werbeapostel für kollektive Volksverdummung spielen. Geht vor die Tür, lest ein gutes Buch, arbeitet euren Feedreader ab oder sonstwas. Aber bitte verschont uns mit den Best-of-Witzeleien deutscher Fernseh-Kleingeisterei. "Dumm ist der, der Dummes tut" sagte bereits Shrimps-Professor F. Gump. Und Lebenszeit zu verschwenden ist nicht gerade der klügste Akt des menschlichen Handelns.

Ab jetzt werden Kommentare moderiert

Es hat ja doch ein paar Tage gedauert. Mittlerweile sind einige Trolle auf dieses kleine Blog aufmerksam geworden. Der Trick, per gefälschter E-Mail-Adresse über den Posterous-Mail-Weg zu gehen und hier zu kommentieren ist wenigstens clever, andere Höhlenbewohner versuchen den simpleren Weg. Deswegen: Ab jetzt landet jeder Kommentar in der Moderation und wird von mir freigeschaltet. Es tut mir Leid für die fairen Kommentatoren, aber Trolle gehören da hin wo sie herkommen: ins Dunkle.

Crash Boom Bang mit der AR.Drone

Filmaufnahmen aus der Luft - Dank der AR.Drone von Parrot ist dieser feuchte Traum eines jeden Filmemachers in greifbare Nähe gerückt. Wer das "fliegende Auge" noch nicht kennt: Die Drone ist ein Quadrocopter, vier Motoren halten das Ding in der Luft und ermöglichen halbwegs sanftes Manövrieren. Gesteuert wird die Drone mit Apple-Mobilgeräten (iPod Touch, iPad oder iPhone) über das Display. Eine Kamera an der Drone-Front (mit 640x480 bei 15fps) dient dabei als verlängerter Cockpit-Ausblick.

Die Drone, mit 299 Euro kein Schnäppchen-Gadget, wird übrigens bei dem großen Elektromarkt mit S am Anfang in der Konsolen-Ecke verkauft. Denn genau dieses Einsatzgebiet strebt den Erfindern vor: Spiel und Spaß. Der Namensvorsatz AR für Augmented Reality sagt alles. Leider gibt es im App-Store noch keine passenden Spiele.

Zurück zum Filmen:

Zwar verfügt die Drone an der Unterseite über eine zweite Kamera (mit lächerlich geringer Auflösung von 176x144), diese ist aber nur für die Flugstabilisierung gedacht. Das Mitschneiden der Aufnahmen der Kameras wäre technisch möglich, aber ist von Seiten Apple nicht erlaubt und deshalb in der offiziellen App keine Option. Abhilfe könnte in Zukunft der Cydia-Store bringen: Drone-Hersteller Parrot hat ein SDK veröffentlicht und erlaubt jedem findigen Programmierer, eigene Apps zu erstellen.

Achja: Mit Android-Geräten hebt die Drone nicht ab. Einfacher Grund: Die Drone baut ein WLAN-Ad-Hoc-Netzwerk auf, in welches sich z.B. das Steuer-iPhone einklinkt. Androids haben damit noch Probleme...

Wer also seine Kunstflüge für die Nachwelt erhalten will, muss ein externes Aufzeichnungsgerät an die Drone basteln. Und hier beginnt der Spaß.

Die Drone hat ein Eigengewicht von 400 Gramm (mit Verkleidung). Zwar startet die Drone mit z.B. einer Flip-Kamera, das verhältnismäßig große Gewicht dieser macht aber ein gefahrloses Steuern unmöglich. Zudem ist die Positionierung der Kamera wichtig: Unterhalb der Dronen-Verkleidung sitzt die wichtige Stabilisierungkamera, die nicht verdeckt werden darf. Eine seitliche Positionierung bringt ebenfalls nichts: Zum einen ist die Gefahr groß, dass die Rotorblätter einschlagen, zum anderen wirkt sich jede noch so kleine Veränderung der Gewichtsmitte katastrophal auf den Flug aus.

Als kleines Negativ-Beispiel hier ein Versuch mit einer GoPro, die zwar mittig auf der Verkleidung angebracht war, aber für einen starkenRechtsdrall sorgte.

 

 

Eine gute Alternative könnte eine Guncam sein: Klein, ordentliche Qualität und federleicht. Sobald die Guncam im Büro eingetrudelt ist, neue halsbrecherische Flüge über den Hof der Garage Bilk :-)

 

Quo vadis, Webvideo? (2) - Progressive Videojournalism

Video ist Bewegtbild. Ob nun auf dem Flachbildschirm im Wohnzimmer, im Kinosaal oder auf dem Laptop-Bildschirm. Doch was wäre, wenn Video nicht mehr nur ein monomediales Erlebnis sein könnte - sondern ein sich stetig weiterentwickelnder Prozess? Ein Stück mediale Wirklichkeit, die zu leben beginnt?

Ein typischer Arbeitsablauf im Alltag eines VJs sieht wie folgt aus: Thema recherchieren, Drehplan anfertigen, Drehen, Schneiden, Publizieren. Dieser grobe Ablauf hat sich für alle Ausspielkanäle kaum geändert. Es ist das, was ich gemeinheim "Web-TV" nenne: Eine systemimmanente Linearität im Bewegtbild.

Brechen wir diese Linearität auf und befreien Bewegtbild aus dem selbstgewählten Käfig!

Im linearen Videojournalismus würde der Produktionsprozess nach dem Publizieren (Online stellen) sein Ende finden. Zwar wird das Video kommentiert, in einen Text eingebunden, verlinkt, bei Facebook ge-liked - aber es bleibt ein fertiges Produkt.

Im non-linearen Videojournalismus - oder an Jeff Jarvis angelehnt - Progressive Videojournalism - beginnt die wahre Arbeit erst nach dem Publizieren: Hinweise aus den Kommentaren führen zu einer Vertiefung der Geschichte, es tauchen neue Gesichtspunkte auf, die ins Video einfließen.

Beispielablauf aus dem News-Alltag: 

  • Rohversion mit minimalen Schnitten online stellen (Version 1)
  • Erste finale Version, geschnitten, z.B. mit Off-Text Version 2)
  • Neue Entwicklungen im Newsfall ergänzen Version 2 (Version 3)
  • Nutzer beteiligen sich an der Diskussion zum Video (Version 4)
  • usw.

Die aktive Weiterentwicklung dieses konkreten Bewegtbild-Rohbaus erfolgt also erst mit Version 4, wenn die Nutzer aktiv einbezogen werden.

Natürlich bedeutet diese Arbeitsweise mehr Kosten, natürlich mag diese Vorgehensweise auch für die Nutzer noch ungewohnt sein - weil es sich beim Bewegtbild bis dato um ein eher einseitiges Medium gehandelt hat. Der Blick nach YouTube zeigt aber, dass die interaktiven Möglichkeiten angenommen werden und bereichernd sein können: Googles Videoportal erlaubt das Kommentieren im Video selbst, das Erstellen von Video-Kommentaren zu einem bestimmten Video etc.

Achja: Wer im Netz nach journalistischen Beispielen für obiges sucht, wird nicht fündig. Schade.

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