Können Sie in wenigen Sätzen, ohne Gebrauch von Netz-Theorien, den Unterschied zwischen Webvideo und WebTV erklären? Willkommen im Club. Auch ich bin neulich daran gescheitert. Dabei lässt es sich mit einem Vergleich erklären. Doch erfordert dieser mehr als Stammtisch-Parolen und Wikipedia-Halbwissen.
YouTube ist Webvideo
Gemeint ist nicht das technische Portal hinter dem bis dato größten Bewegtbildlieferanten der Menschheitsgeschichte. Vielmehr bedeutet der Grundgedanke des Social Media die Trennlinie zwischen Webvideo und WebTV.
Ohne zum x-ten Mal das Hohelied auf Social Media zu singen: Der Nutzer nimmt aktiv an der Gestaltung seines Programmes teil. Als Produzent, Konsument und Kritiker. Er hat sich das Recht auf freie Inhaltewahl zurückerkämpft.
Dass diese Erkenntnis bei Verlagen auf eine Betonmauer stößt, verwundert nicht: Vorallem Medienhäuser verstehen es, ihren vermeintlich exklusiven Inhalt mit letzter Kraft vor ihren Kunden zu schützen. Neuerdings auch mit Selbstschussanlagen.
Insofern kommt die Gelegenheit, günstigen TV-Bewegtbildinhalt als Zweitverwertung einzuspeisen, den Verlagen entgegen: Syndikation, Video-Ads, Crossmedia - beim Thema “Bewegtbild im Netz” wird eifrig Buzzword-Bingo gespielt.
Dabei beruht der Erfolg von Webvideos nicht auf möglichst viel Content zu möglichst günstigen Preisen. Sondern auf den vielfältigen Möglichkeiten, die das Internet dem Submedium Bewegtbild bietet.
Die Maßzahl “Video-Abrufe” ist übrigens in dieser Hinsicht ein ungeeignetes Mittel des Erfolgsnachweises. Faktoren wie Verweildauer, Weiter-Empfehlungsrate, Kommentarqualität und Longtail-Effekt verdeutlichen in Ansätzen, welchen Stellenwert das Produkt Webvideo bei den Websehern bzw. Kunden hat.
Diese Faktoren zu steuern, erfordert den stetigen Dialog mit den Kunden. Eine Funktionsweise, die dem klassischen, weil originär für ein Send-Only-Medium “TV” entwickeltem Bewegtbild nicht gegeben ist.
WebTV nutzt zwar die Werkzeuge des Social-Media-Gedankenguts, blendet aber den geistigen Überbau aus. Und degradiert den Webseher zum Zuschauer zweiter Klasse.
Videopunk - Anarchy in Web-TV Webvideos und die Zukunft des Bewegtbildes