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Die Verlogenheit mancher Journalisten

So langsam platzt mir der gebügelte Kragen. Dabei sollte ich mich freuen: Immer mehr Kollegen haben Video für sich entdeckt. Leider scheinen sie dabei jedwede Professionalität in der Dorfkneipe vergessen zu haben. Es ist verwunderlich: Mieser Ton, verwackeltes Bild, keinerlei roter Faden und dennoch sollen diese Machwerke die untergehende Kaste der Informationsmittelmänner retten? Wohl kaum.

Beim gedruckten Wort gibt es keine Kompromisse. Wer nicht Rechtschreibung und Stil gefuttert oder zumindest in Griffweite hat, gilt als unfähig. Und das zu Recht: Wer kommuniziert, sollte zumindest das dafür notwendige Handwerk beherrschen. Für Bewegtbild scheint das nicht mehr zu gelten.

Und so tauchen Tag für Tag neue Bewegtbildunfälle bei Tageszeitungen auf. Auch so mancher Blogger hält sich nach dem Kauf einer Westentaschenkamera für den nächsten Spielberg. Die Prämisse "Weil-es-geht-mache-ich-es" hat jedes Gefühl für Qualität verdrängt.

Oft wird argumentiert, man müsse doch auf Augenhöhe mit dem XXXXX kommunizieren. Diese Ausrede basiert auf einem kapitalen Denkfehler. Nur weil viele Webvideos von mäßiger Qualität sind, entbindet uns dies nicht vom Streben nach Qualität. Übrigens ein Streben, welches seit Jahren Video-Communities wie YouTube nach vorne peitscht.

Viel zu selten wird in Redaktionen über eine neue Definition von Qualität gesprochen. Es braucht kein TV-Studio, keine teuren Schulterkameras, kein Rechenzentrum für die Produktion von Bewegtbild. Aber es braucht Handwerk und Leidenschaft. Nicht selten ist Letzteres der stärkste Antrieb für Ersteres. Ein iPhone (mit externem Mikro, eigenem Rig, spezieller Video-App, zusätzlichem Objektv und und und) als Handwerk zu bezeichnen, ist verlogen.

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Posterous theme by Cory Watilo