Mutig sind sie ja. Die Herren Harnasch und Bozic. Sich als Papier-Personaler vor die Kamera zu trauen, ist vielen Amtskollegen weiterhin ein Graus. Trotzdem ächzt und krächzt das neue Video-Format “Berliner Ferngespräche” an allen vier Ecken und Enden des Videoplayers.
Schon die Idee ist nicht neu, aber immerhin weithin Nutzer-kompatibel:
Auch ein Ortsgespräch kann zuweilen ein Ferngespräch sein: Alle zwei Wochen telefonieren Ivo Bozic von der Jungle World und David Harnasch vom Cicero miteinander und besprechen das aktuelle Weltgeschehen.
So weit, so einfach. Inhaltlich ist der gestellte Schlagabtausch ganz nett. Trotzdem ist die journalistische Rakete in seiner jetzigen Form mehr Rohrkrepierer denn Feuerwerk.
Und das liegt vorallem an der biederen und manchmal unfreiwillig komischen Darbietung. Gestellt ist noch höflich ausgedrückt. Ein echter Schlagabtausch, ja selbst ein echtes Telefonat sieht anders aus. Hört man da draußen in der analogen Welt. Oder so.
Eben diese fehlende Authentizität ist der Kardinalsfehler eines, von den Nutzern weitgehend akzeptierten Videoformates heutigen Produktionsdatums.
Leider ist die Lösung für dieses Problem nicht einfach: Das Konsumieren von Alkohol, so wie Nutzer “Altonase” es in den Kommentaren vorschlägt, dürfte wegfallen. Das Austauschen der Protagonisten ebenso. Und die Landverschickung auf eine Schauspielschule könnte für Ärger mit den Chefredakteuren sorgen.
Mein Tipp: Einfach losreden, wie euch der Schnabel gewachsen ist. Lasst es raus. Besprecht im Vorfeld das Thema, überlegt euch knackige Formulierungen, markante Sprüche, schreibt diese auf. Und zerknüllt diesen Schlachtplan. Dann schauen wir mal weiter.
Videopunk - Anarchy in Web-TV Webvideos und die Zukunft des Bewegtbildes