Wie Springer einige Blogger verarscht
6Das war also das großmäulig angekündigte Medienexperiment: 25 Blogger machen für einen Tag die Welt.kompakt. Das böse Erwachen kommt jetzt nach der Ego-Trunkenheit.
Ich habe mich im Vorfeld rausgehalten, es hatten schon genug Leute ihren Senf zu diesem Thema aus der Tube gedrückt. Zumal ich als Ex-Zeitungsmacher (6 Jahre Frontsau im Lokaljournalismus, danach 3 Jahre Online im selbigen Zeitungskonzern) einen etwas vorbelasteten Blick auf dieses Ding namens Projekt hatte.
Was ich nicht verstehe: Wie naiv manche der Teilnehmer waren. Dass Springer/Welt niemals die Kontrolle über das Produkt aus der Hand gibt, sollte jedem halbwegs medieninteressierten Menschen eingeleuchtet haben. Dass die Ausgabe zum Großteil fertig war und lediglich die Lücken von den günstigen freien Mitarbeitern gestopft wurden, hätte ebenso niemanden überraschen dürfen. Über die inhaltliche Diskussion – ich fand sowohl das Gesamtpaket “Scrolling Edition” als auch einige der Texte unter aller Kanone – reden wir besser nicht.
Und dann bedankt sich Kompakt-Vize-Chef Schmiechen auch noch auf charmante Weise bei seinen fleißigen Helferlein: “Heute erscheint die WELT KOMPAKT wieder in bewährter Form. Die meisten von Ihnen werden erleichtert sein. Wir sind es auch.” Harmonische Töne klingen anders.
Wer ist der Nutznießer dieser PR-Aktion? Ganz eindeutig Springer. Weil sie es durch die Hintertüre erneut geschafft haben, “diese Blogger da draußen” ins Abseits zu stellen.
Durch die Blume gesagt: Es war irgendwie klar, dass die keine Zeitung machen können, die Leser fanden’s auch doof und somit haben wir gezeigt, dass wir zurecht im Elfenbeinturm residieren.
Oder ehrlich gesagt: Wir haben endlich mal wieder ein paar Blogger verarscht.
Blogger sind und bleiben eben naiv. Der Spruch von Schmiechen ist allerdings schon ziemlich daneben
Blogger sind nicht mehr oder weniger naiv als andere Menschen, wie z.B. Busfahrer. Oder Welt.Kompakt-Redakteure.
Du sprichst mir direkt aus der Meinung. Ich hätte nach dem Abgesang ‘am Tag danach, wo vorab immerhin gut gegessen und getrunken wurde’ echt den Kaffee auf und eine sehr dunkle Tüte auf dem Kopf.
“WELT ONLINE hat den Kommentarbereich dieses Artikels geschlossen.” Warum wundert mich das jetzt nicht?
Danke für diesen Bericht. Du sprichst mir aus dem Herzen. Gewinner ist und bleibt Springer. Das “Ruder” haben sie nicht wirklich jemals aus der Hand gegeben.
Danke Markus. Knapp und auf den Punkt, mehr muss man zu dieser Medienvergewaltigung, aber auch Prostitution nicht sagen. Was Schmiechen in seinem Kommentar schreibt…..ach herrlich!