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Warum das Fernsehen keine Zukunft hat

Einem Mantra gleich summt die Branche das Hohelied auf die glorreiche Zukunft des Fernsehens. SocialTV, Second Screen, SmartTV – der Götzen haben wir im Moment reichlich. Doch können diese nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass das Fernsehen seine Zukunft längst hinter sich gelassen hat.

Dabei ist es ebenso hip, dass Fernsehen für tot zu erklären, als obige Götzen um Erlösung anzubeten. Aber wo stehen wir im Bewegtbild denn wirklich? Wie ist der status quo der Vereinten Fernsehnationen?

Das “Fernsehen” als solches ist eine gut geölte Erntemaschine. Seit Jahrzehnten hat sich eine Industrie entwickelt, die sogar dafür sorgt, einem Studiogast seinen eigenen Wasserträger (“30 Sekunden Pause. Darf ich Ihnen Wasser einflößen?”) zuzuteilen. Ein Job, der im größten TV-Land der Welt, in den USA, sogar gewerkschaftlich organisiert ist.

Sendungen sind Profit-Center, Fernsehstars Produzenten, Journalisten Inhaltelieferanten und Kameramänner Techniker. Denn genau das ist Kreativwirtschaft der industriellen Prägung: vor allem Wirtschaft. Und hier schlägt das Über-Medium erbarmungslos seine Krallen in die stolzgeschwellte Brust des fetten Öko-Systems Fernsehen. Die Wertschöpfungskette von gestern, liegt heute am Boden und ist morgen ausgezählt.

Nun geht es nicht darum, mein Lieblingsthema “Webvideo” als der heilige Gral zu feiern. Webvideo hat sein eigenes Öko-System, eigene Regeln, Sorgen und Nöte. Ebenso wie SocialTV. Ebenso wie Fernsehen.

Doch am Ende des Tages bleibt nur die größte aller Fragen: Wer verdient wie viel Geld womit?

Und an dieser Stelle sieht die Zukunft des Fernsehens sehr verschwommen aus. Das junge Publikum konnte nicht erreicht werden. ZDFneo? Irrelevant. MTV? Hinter einer TV-Paywall verschwunden. EinsPlus? Siehe ZDFneo. Und die großen Privatsender wie RTL? Spätestens seit Gottschalks Verpflichtung muss die Überlegung erlaubt sein: Ist das Fernsehen aus dem Traum der Jugend aufgewacht?

Die Öffentlich-Rechtlichen schaffen es nicht mehr, fürs Fernsehen zu begeistern. Die Privatsender schicken bar jeder Vernunft drei zusätzliche Erntemaschinen aufs Feld. Bis dann der Boden unfruchtbar geworden ist. Fernsehen ist eine Industrie. Und diese hat große Probleme damit, sich dem neuen Zeitgeist des demokratisierten Kommunikationsmittels “Video” anzupassen.

SocialTV und Co. sind nur Krücken, nur lebensverlängernde Maßnahmen eines eigenen Öko-Systems. Sie werden das Programm bereichern, sie werden unter Umständen neue Erlösströme generieren. Doch sie werden als Bestandteil eines Organismus nicht verhindern können, dass dieser seine besten Jahre hinter sich hat.

10 Kommentare

  1. Tom von der Isar

    WORD!Irgendwann sehen wir nur noch amerikanisches Fernsehen (ich vergöttere das, hätte aber gern eigenes, innovatives in deutsch) und ProSieben übernimmt alles private (die schaffen es mich mit den Serien und ihren RAAB.TV Shows noch wirklich zu begeistern!)Ansonsten: Ich unterschreibe das hier. Film ab.

  2. GeorginaBlumert

    Genau so! Es verändert sich.Das Fernsehen wird demokratisch und wandert ins Internet. Das Fernsehen selbst kürzt Budgets, schafft neue Sender denen es leider an Konsequenz fehlt und manchmal hat man das Gefühl alle Entscheider rennen durcheinander auf der Suche nach dem Weg um dann wieder in einer Sackgassse zu landen. Derweil macht die Netzgemeinde weiter und kümmert sich nicht darum.Im Internet setzt sich auch Qualität durch. Doch es ist anders. Komisch ist dennoch, warum wollen manche erfolgreiche Video Internetler ins Fernsehen? Diese Frage bleibt.

  3. Markus Hündgen

    Warum einige ins Fernsehen wollen? Geld. Das liegt noch zu großen Teilen dort. Dazu kommt meistens eine jugendliche Naivität und kein strategisches Denken – in den USA sind die Macher schon weiter. Es gibt Ausflüge ins Fernsehen – aber eben nur Gastspiele mit Werbeeffekt fürs Netz. Und Geld.

  4. GeorginaBlumert

    Richtig und es ist unklug. Aber ich glaube es ist auch eine gewisse Eitelkeit. Fernsehen zieht bisher in manchen Schichten noch besser als Internet. Denn ins Fernsehen wird man reingelassen und ins Internet kann man selbst gehen. Dies ist eine ganz andere Sichtweise. Allerdings und das sollte man auch so sehen ins Fernsehn kommt man leichter als man denkt, doch man muss sich verkaufen, verliert dadurch seine Selbstbestimmtheit, die einem das Internet bietet.

  5. Marc Quambusch

    Das ist doch Quatsch, dass das Fernsehen die Jugend nicht mehr erreicht. ZDFinfo erzielt teils gute Werte bei Jüngeren und auch EinsPlus hat ja grade erst angefangen. Dass die ÖR die junge Generation verschlafen haben ist klar aber mit dem richtigen Content kommen junge Leute auch wieder zum Medium Fernsehen. Da on demand Angebote bald eh auch auf dem TV kommen wird diese strenge Grenze so echt nicht zu halten sein. Aber TV ist genauso wenig tot wie Print. Es verändert ich nur.

  6. Dankeschön. Du sprichst einem aus der Seele.
    Wie u.a. die Musikindustrie ist die Branche TV noch zu sehr auf alte Strukturen festgefahren.
    Langfristig muss sich da etwas ändern.
    Aber gerade durch die neue GEZ ist es nun noch viel schlimmer.
    Man MUSS für etwas zahlen, was man nicht mal konsumiert. Ob man will oder nicht…

    Hier sollte zuerst angesetzt werden. Aber da ist die Lobby, oder wie auch immer man es nennen möchte, zu stark.

    Danke für diese erfrischenden Worte am Sonntag :)

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