Typisch VJ
4Mein geschätzter VJ-Kollege Roman Mischel war neulich für die Caritas unterwegs. Herausgekommen ist dieses tolle “Portrait einer starken Frau“.
Warum ich das hier poste? Weil ich dieses Herangehensweise an ein Thema nicht nur typisch, sondern wie gemacht für einen VJ halte.
Für Diskussion die wir ja schon unter “Über das Ende des Videojournalismus im deutschen Web” begonnen hatten, bietet sich hier eine Fortsetzung an. War da nicht die Rede von “Neuem”. Der oben gezeigte Film ist gutes Handwerk, aber leider dramaturgisch von vorvorgestern. Über den Stolz einen DOF Adapter und dem kleinen EB-Lichtkoffer einsetzen zu können wird eine interessante Erzählweise vergessen. In den 70ern hätte es hurra dafür gegeben. Klar will man es auch ma wie die grossen machen, Bildgestaltung Top (wenn auch etwas arg unbewegt, filming postcards), aber ein zusätzlicher Autor oder noch besser kreativer Cutter wäre da besser gewesen. Diese Notwendigkeit wird mit viel Berufserfahrung immer relativer, aber Geduld war ja noch nie die Stärke der Herrn Mediengestalter (oder war es gar nur ein 8 Tage VJ Kurs). Wer gleich dreht kann von den Etablierten, die es offensichtlich zu imitieren gilt, natürlich mangels Assistenzzeit nichts lernen, aber klar der VJ kann ja schon alles?Bernd(Regie-)Kameramann und VJ
Ihre Argumentation ähnelt den Grabenkämpfen im Print-Sektor. Es kommt nicht darauf an, jahrelang als Assi gedient zu haben. Nicht auf ein Kamera-Studium. Nicht auf das peinliche Einhalten von verstaubten Regeln.Wo sind denn die Qualitäts-Gegenbeispiele der gut ausgebildeten altgedienten Kameramänner und VJs im Netz?
Ok, alles klar, Sie gehen ja gar nicht aufs geschriebene ein, nun gut. Abschliessend fällt nur wieder auf, das immer nur die, die keine nennenswerte Ausbildung haben betonen wie unwichtig eine solche ist (hmm, warum wohl
)), passend der Spruch “you got to KNOW the rules to break the rules”.Nachdem es ja mit dem Können oft nicht weit her ist, wird es schnell mangels Aufträge über den Preis versucht. Da wird die Profitsucht einiger Auftraggeber schnell mal herausgefordert wenns der VJ für 10% des Preises macht (vielleicht geschieht ja doch ein Wunder).Videoproletariat nennt das der Volksmund, ich finde aber auch das mein Zahnarzt nur angeborenes Talent und ein Praktikum braucht damit er möglichst schnell “ran” darf, Studium war gestern.Und zu Qualitätsbeispiele der Profis sei http://www.zdf.de/ZDFmediathek/ oder http://plus7.arte.tv/ empfohlen
) … Auch WebTv mit dem Vorteil das dort auch reale Löhne für reale Arbeit gezahlt werden.Web wird wichtiger werden, sicher, aber grad ist WebTv insbesondere von der Bezahlung, sorry, Nippes ……Verstaubte Grüsse
Jetzt gehe ich aufs Geschriebene ein, vorher fehlte die Zeit. Sehen Sie es mir bitte nach
Also:Ich möchte mich gar nicht zum Handwerk von Roman Mischel äußern, kann mir aber gut vorstellen, dass die Caritas eher wenig für schnelle Schnitte und experimentelle Einstellungen hätte und auch inhaltlich eher Hausmannskost bevorzugt.Ihre Kritik an der Zunft teile ich vollkommen: Wenn ich sehe, wieviele Möchtegern-VJs in Berlin für 80 Euro / Tag durch die Straßen ziehen und nach einer Woche Kamera-Crashkurs die Mattscheiben mit Bewegtbild beliefern, läuft es mir eiskalt den Rücken herunter.Ich stimme Ihnen zu: Nur wer die Regeln kennt, kann sie auch sinnvoll brechen. Kameragewackel kann einen Sinn haben – wenn man/frau denn die Grundregeln der Bildsprache intus hat.Auch ich halte die Öffentlich-Rechtlichen (noch?) für einen Hort der Qualität. Auf den Dritten (leider oft zu unmenschlichen Zeiten) gibt es weiterhin guten Bewegtbildjournalismus.Beim Thema WebTV/Webvideo werden auch nur diese – so sieht es derzeit aus – mitspielen können. Wenn selbst ein Nachrichtensender wie N24 demnächst Bewegtbildnachrichten ohne Bewegtbilder machen sollen, haben sich die Privaten (auch Verlage) längst aus dem Spiel verabschiedet.