YouTube wird 7 - und erwachsen?

Happy Birthday, YouTube! Unser aller größtes Videoportal wird sieben Jahre alt. Und verkündet nebenher, dass mittlerweile jede Minute 72 Stunden frisches Material auf die YT-Server gepumpt wird. Offen ist aber weiterhin, welchen Anteil professionelle Inhalte daran haben.

In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Stoßrichtung YouTubes geändert: Weg vom "Du bist der Star", hin zu "Auch du bist der Star". Nicht zuletzt mit dem Einkauf von Premium-Channels in den USA setzt YT auf eine Mischung. Denn wenn auch fast jeder Nutzer mittlerweile seine Videos monetarisieren kann - der Partnerstatus hat stark an Wertigkeit verloren - wird noch längst nicht jedes Video werbetauglich. Das Grundproblem von UGC bleibt: Nur weil 3000 Leute das verwackelte Video vom Neusser Schützenumzug sehen, ist dies noch kein attraktives Werbeumfeld.

Deswegen nun also der Sprung Richtung Profi-Content. Und auch in Deutschland wird uns das bevorstehen. Die Pitches für deutsche Premium-Formate sind gelaufen, noch dieses Jahr ist mit Webvideos aus den Produktionsstudios der üblichen Verdächtigen zu rechnen. Auch hier wird interessant sein, welchem YouTube-Star die Chance auf Professionalisierung gegeben wird - und welchen Anteil klassische TV-Macher am Premium-Content haben.

Klar ist: Die Einführung von eingekauften/geförderten Videoinhalten ist ein Angriff auf die bestehende Machtstruktur auf dem deutschen YouTube. Fast scheint es so, als wolle YT eine besser vermarktbare Alternative zu Y-Titty und Co. Nur, das hat die Vergangenheit gezeigt: TV-Macher sind gut im Erstellen von Bewegtbildinhalten, aber oft lausig im Aufbau und der Pflege des Publikums. Übrigens DER Erfolgsfaktor für gute Webvideos.

Der Kampf um YouTube und die Webvideokrone wird also nicht am Schnittplatz entschieden. Sondern auf YouTube selbst. Denn nicht du, oder auch du sind der Star - sondern wir alle. Und das wird sich auch in 70 Jahren nicht geändert haben.

So werden Sie YouTube-Star - ohne Geld-zurück-Garantie!

Immer wieder für ein Kopfschütteln gut: Erfolgs-Coach Wolfgang Rademacher. Mit seinen schwammigen Hauttipps reichte es beim Silbernen Sellerie 2012 für die Finalrunde. Mit diesem Video wird er praktischer: So werden Sie in kurzer Zeit zum YouTube-Star!

 

 

Und gleich zu Anfang lernen wir: "YouTube verzeichnet doppelt so viele Suchanfragen wie Google." Na denn. Viel Spaß beim Verarbeiten der hoffentlich erreichten Einsichten.

Most watched & most hated

YouTube würdigt in einem kleinen Video die erfolgreichsten Videos des Jahres 2011. Moment: Die erfolgreichsten Videos? Nicht wirklich. Unter den Abrufgiganten sind auch faule Birnen.

YouTube Rewind ist der clipgewordene Jahresrückblick, in riesigem Tempo rauscht der Zuschauer an den meist gesehenen Videos vorbei: Die großen US-Partnerkanäle sind alle vertreten (und wenn nur für drei Sekunden), die Top 10 besteht - nicht verwunderlich - aus Musikvideos, dem eigentlichen Klickbringer YouTubes (außer in Deutschland), gemischt mit viralen Clips und Werbefilmchen. Quasi das Best-Of der One-Hit-Wonder.

Moderiert wird das Ganze von... dazu später.

 

Den Thron des Most-Watched-Video erklimmt - Trommelwirbel - Gesangsunfall Rebecca Black. Deswegen darf sie YouTube Rewind moderieren. Was ein cleverer PR-Gag YouTubes ist.

Warum? Schauen wir uns an, wer diese Mrs. Black ist.

Mit ihrer Pop-Posse "Friday" hat sie derzeit knapp 12,5 Mio. Abrufe bei YouTube. Das waren noch bis MItte Juni deutlich mehr - nämlich bis es aufgrund Stretigkeiten mit dem eigenen Plattenlabel von der Plattform flog. Die bis dahin gesammelten 167 Mio. Abrufe sind zwar futsch, aber trotzdem in die Jahresberechnung eingeflossen. Zahlreiche Parodien mit dutzenden Millionen Abrufen haben den Hype beflügelt. Deswegen ganz klar Platz Numero Uno.

Was uns YouTube und Rebecca Black gerne verschweigen: "Friday" war und ist weiterhin das meist gehasste Video weltweit. Die YouTube-Erstauflage musste über 3 Mio. Daumen nach unten ertragen. Die Wiedereinstellung liegt bei 300 000 Miesen, bei nur 80 000 positiven Stimmen. Ebenfalls lesenswert sind die 200.000 Kommentare unter dem Video...

Bleibt zu hoffen, dass in der Berichterstattung zu den Top-Webvideos-2011 der eine oder andere genauer hinschaut - und nicht blind auf Abrufzahlen vertraut.

Und nun - gratulieren wir Rebecca Black mit eine der schönsten Parodien ihres "Video-des-Jahres".

 

 

Der Universalcode ist da

Wer sich zu Weihnachten mit Fachwissen beschenken will, sollte sich den "Universalcode" anschauen. Ich habe ein kleines Basiskapitel zu Webvideos beigesteuert, wohl wissend, dass das Thema zu komplex und zu diskutabel für 25 Seiten ist. Vielmehr sind ein kleiner Überblick und ein zwei Gedankenspiele herausgekommen.

Mehr Infos zum Buch und eine Bestellmöglichkeit gibt's auf der offiziellen Seite.

Und als Teaser hier der Einstieg in mein Kapitel:

Ein junger Mann steht vor einem Elefantengehege eines Zoos in San Diego. In wenigen Worten und etwas unbeholfen beschreibt er die Szenerie und sein Faible für diese Tiere. Nur 19 Sekunden dauert das erste bei YouTube hochgeladene Video. Der Clip stammt von keinem Fernsehprofi oder Filmstudenten. Es stammt von Jawed Karim, Mitbegründer der weltgrößten Videoplattform YouTube. Mit diesem Video markierte er 2005 den Start in ein neues Bewegtbildzeitalter.

 

 

Im Jahr 2007 fanden pro Minute fünf Stunden neues Videomaterial auf die Plattform. Seitdem ist YouTube rasant gewachsen. Im November 2010 haben die Nutzer 35 Stunden neues Videomaterial pro Minute hochgeladen, im Mai 2011 waren es bereits 48 Stunden. Damit gibt es monatlich mehr neuen Inhalt auf YouTube, als alle großen US-Fernsehsender in den vergangenen 60 Jahren gemeinsam hätten ausstrahlen können.

 

YouTube steht damit stellvertretend für den radikalen Medienwandel im Bewegtbildbereich. Plötzlich ist es jedem Menschen möglich, sich mittels Video einer Weltöffentlichkeit mitzuteilen. Gleichzeitig ist es so kostengünstig wie noch nie, Bewegtbild mit professionellem Anspruch zu erstellen. Zum Vergleich: Ein digitales Videoschnittsystem kostete 2005 noch deutlich über 10 000 Euro. Heute genügen ein moderner Laptop, eine günstige Schnittsoftware und ein Handy, um professionell anmutende Videos zu erstellen.

 

Diese kollektive Kreativität führt stetig zu neuen Formen des Bewegtbildjournalismus, angetrieben durch die Experimentierfreude des nun selbst produzierenden Publikums.

 

YouTube hat damit indirekt mehr für den Bewegtbildjournalismus getan, als die Einführung des Privatfernsehens in Deutschland Mitte der 90er Jahre oder die Verbreitung des kostensparenden Videojournalismus, also des Ein-Mann-Kamerateams, ein paar Jahre später. Die kostenlose Möglichkeit, sein eigener Sender zu werden, zu berichten und mit Bewegtbild eine Meinung auszudrücken, hat eine ganze Generation geprägt. 

 

Diese Demokratisierung der Produktionsmittel geht an klassischen Medienbetrieben nicht spurlos vorüber. Während Webvideos zunehmend das Internet erobern, zögern trotzdem viele deutsche Medienmacher bei der eigenen Produktion fürs Web. Stattdessen setzen sie vor allem auf die Wiederverwertung von Fernsehinhalten oder, was weitaus schlimmer ist, kopieren Fernsehformate fürs Web. Die Kluft zwischen dem Anspruch des Zuschauers und des professionellen Videomachers wird immer größer.

 

Dieses Kapitel gibt Videoneulingen und Fernsehjournalisten Ratschläge, um professionelle Bewegtbilder fürs Netz zu erstellen. Der Schwerpunkt der Betrachtung wird bei YouTube liegen. Die Ratschläge gelten in ähnlicher Form für alle sozialen Video-Netzwerke wie Clipfish, MyVideo und weitere Webvideo-Angebote deutscher Medienhäuser.

 

Von YouTube in die Musikcharts

Etwas still ist es um die drei Jungs von Y-TITTY geworden. Die Erklärung: Sie haben ein Musikvideo gedreht, samt eigenem Song und dem Wunsch, damit in die Charts zu kommen.

Das Video:

Der Titel sagt schon alles: "Ständertime" - es geht um Penisse, Jugendliche, Straßenbahnen und weitere irrwitzige Dinge. Dass das Video nicht jedermanns Humor ist, wissen die Jungs selbst. Bei den Plattenlabels sind sie damit abgeblitzt - und versuchen nun durch ihre beachtliche Online-Reichweite, mindestens 5000 digitale Downloads des Songs zu verkaufen. Und das innerhalb einer Woche.

Ich persönlich finde den Song zwar pubertär unlustig, aber ich bin auch nicht die Zielgruppe. Das Video ist ordentlich gemacht, auch wenn es an einigen Stellen immer noch den Amateur-Charme eines Filmclubs "Blende 77" mit sich trägt.

Ebenso wie Y-TITTY selbst bin ich auf das Ergebnis dieser Marketing-Aktion gespannt. Reichen 300.000 Abonnenten bei YouTube, um einen Indie-Song in die Charts zu hieven? Zumindest eine Sache ist bereits gelungen: Der Hashtag #Ständertime ist in Deutschland blitzschnell Trending Topic bei Twitter geworden.

Dass es für mehr als einen einmaligen Achtungserfolg reicht, glaube ich nicht.

(btw: Ich lasse mich gern eines Besseren belehren.)

Update:

Knapp drei Stunden nach der Veröffentlichung ist der Song bereits auf Platz 43 bei iTunes geschnellt.

Mediakraft - Deutschlands erstes YouTube-Netzwerk

Endlich ist die Katze aus dem Sack: Mein geschätzter Webvideopreis-Kollege Christoph "Clixoom" Krachten hat eine neue Firma aufgemacht. Und es geht um nichts weniger, als um Webvideo und um Geld.

Endlich mal, müsste man sogar sagen. Unter der Firmierung "Mediakraft" haben sich ein paar der reichweitenstarken und vermarktbaren YouTube-Kanäle zusammengefunden, um sich für Vermarktungsansätze zu bündeln.

Der Zusammenschluss ist ein erster Schritt in Richtung einer Professionalisierung des Webvideo-Marktes wie in den USA. Ich bin mir sicher, dass Mediakraft nicht das letzte portalbezogene Netzwerk bleibt. Und Mediakraft zudem schnell Zuwachs finden wird.

Folgend die Pressemitteilung (nach dem Klick).

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Strategiewechsel: Google greift Bewegtbildmarkt mit eigenen Inhalten an

Laut BusinessInsider plant YouTube-Mutter Google mittelfristig Investitionen von etwa 500 Millionen Dollar in eigene Bewebtbildinhalte. Ein Strategiewechsel, der TV-Anbietern weltweit starke Kopfschmerzen verursachen wird.

YouTubes Strategie war bis jetzt eher zurückhaltend: Kein eigener Content, der Kauf des Inhalteproduzenten Next New Networks zuvor würde lediglich für Aktionen wie Nachwuchsförderung innerhalb der Community genutzt. YouTube gefiel sich in der Rolle des reinen Plattform-Anbieters, nicht zuletzt auch aus rechtlichen Gründen. Die Haftung für Inhalte liegt damit bei den Contentbesitzern.

Der Sinneswandel überrascht. Noch im Juni beim YouTube-Nachwuchswettbewerb "Secret Talents" hieß es: Nein, wir werden kein Contentanbieter. Denn: "Wir wissen, wo unsere Stärken liegen", lautete damals die Aussage von Google-Pressesprecher Stefan Keuchel. Gefahr erkannt, Gefahr verbannt - Google rüstet nun eben an dieser Front auf.

Hintergrund: Der TV-Markt ist reif zum Abschuss. Vor allem in den USA stehen die Kabelnetzbetreiber mit dem Rücken zur Wand. Die Zahl der sogenannten "cord cutters" - Konsumenten ohne Kabel-TV-Vertrag - nimmt stetig zu. Eine Entwicklung, die sich auch in Deutschland, wenn auch abgemildert, fortsetzen könnte.

Ein weiterer Motivationsgrund für Google: Die eigene Couch-Plattform GoogleTV ist zwar in den USA gefloppt, soll aber 2012 einen neuen Anlauf nehmen und auch z.B. in Deutschland an den Start gehen. Grund für das Scheitern war bis jetzt u.a. die vorsichtige Haltung der Contentanbieter in den USA. Längst nicht jeder TV-Sender oder Filmeproduzent wollte seine Inhalte über Googles-Fernsehbox flimmern sehen. Konsequent nun also, dass Google in eigenen Premium-Content investieren will.

Deutschland könnte bei diesem Strategiewechsel eine starke Rolle einnehmen. Aus verlässlichen Quellen heißt es, dass noch dieses Jahr ein deutsches Content-Netzwerk im Stile Next New Networks gegründet werden soll. Unabhängig - aber finanziell unterstützt durch Google-Geld.