Videopunk auf Reisen (2): TV-Zukunft in Leipzig

Bevor ich das vergesse und es irgendwann keine Karten mehr gibt: Zusammen mit einigen wirklich grandiosen Leuten diskutiere ich am 7. Juni in der Leipzig School of Media über diese Zukunft dieses Fernsehens. Komm mit ins Abenteuerland, der Eintritt kostet den Verstand. Der Eintritt ist kostenlos.

Aus der Beschreibung:

"Nichtlineares Fernsehen, IPTV, Apple TV, Hybrid-TV – Das Fernsehen ist in Bewegung und nicht nur Mediennutzer, auch Fachleute verlieren bei der schier unüberschaubaren Vielzahl an Kanälen, Sendern und Endgeräten den Überblick.

Was erwartet uns in Zukunft und wie werden wir morgen fernsehen? Welche Rolle spielen neue Endgeräte wie Smartphones und Tablets? Welche Chancen bieten sich für private Lokal- und Regionalveranstalter?"

YouTube wird 7 - und erwachsen?

Happy Birthday, YouTube! Unser aller größtes Videoportal wird sieben Jahre alt. Und verkündet nebenher, dass mittlerweile jede Minute 72 Stunden frisches Material auf die YT-Server gepumpt wird. Offen ist aber weiterhin, welchen Anteil professionelle Inhalte daran haben.

In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Stoßrichtung YouTubes geändert: Weg vom "Du bist der Star", hin zu "Auch du bist der Star". Nicht zuletzt mit dem Einkauf von Premium-Channels in den USA setzt YT auf eine Mischung. Denn wenn auch fast jeder Nutzer mittlerweile seine Videos monetarisieren kann - der Partnerstatus hat stark an Wertigkeit verloren - wird noch längst nicht jedes Video werbetauglich. Das Grundproblem von UGC bleibt: Nur weil 3000 Leute das verwackelte Video vom Neusser Schützenumzug sehen, ist dies noch kein attraktives Werbeumfeld.

Deswegen nun also der Sprung Richtung Profi-Content. Und auch in Deutschland wird uns das bevorstehen. Die Pitches für deutsche Premium-Formate sind gelaufen, noch dieses Jahr ist mit Webvideos aus den Produktionsstudios der üblichen Verdächtigen zu rechnen. Auch hier wird interessant sein, welchem YouTube-Star die Chance auf Professionalisierung gegeben wird - und welchen Anteil klassische TV-Macher am Premium-Content haben.

Klar ist: Die Einführung von eingekauften/geförderten Videoinhalten ist ein Angriff auf die bestehende Machtstruktur auf dem deutschen YouTube. Fast scheint es so, als wolle YT eine besser vermarktbare Alternative zu Y-Titty und Co. Nur, das hat die Vergangenheit gezeigt: TV-Macher sind gut im Erstellen von Bewegtbildinhalten, aber oft lausig im Aufbau und der Pflege des Publikums. Übrigens DER Erfolgsfaktor für gute Webvideos.

Der Kampf um YouTube und die Webvideokrone wird also nicht am Schnittplatz entschieden. Sondern auf YouTube selbst. Denn nicht du, oder auch du sind der Star - sondern wir alle. Und das wird sich auch in 70 Jahren nicht geändert haben.

So werden Sie YouTube-Star - ohne Geld-zurück-Garantie!

Immer wieder für ein Kopfschütteln gut: Erfolgs-Coach Wolfgang Rademacher. Mit seinen schwammigen Hauttipps reichte es beim Silbernen Sellerie 2012 für die Finalrunde. Mit diesem Video wird er praktischer: So werden Sie in kurzer Zeit zum YouTube-Star!

 

 

Und gleich zu Anfang lernen wir: "YouTube verzeichnet doppelt so viele Suchanfragen wie Google." Na denn. Viel Spaß beim Verarbeiten der hoffentlich erreichten Einsichten.

Zu dieser Zukunft dieses Fernsehens

Viel wird dieser Tage über die Zukunft des Fernsehens geschrieben und geredet. Allen voran "Social TV" - der Wandel im TV zum Dialogmedium - bestimmt die Diskussion. Doch alle liegen falsch.

 

Nun liegt es in der Natur der Zukünftigkeit, dass sie verdächtig unvorhersehbar ist. Aber angesichts der aktuellen rasenden Entwicklungen seien mir diese wenigen Gedankenstriche erlaubt:

 

- Social TV ist nur ein weiteres Gimmick, welches für das Gros der Formate aufgrund mangelnder Ressourcen keine Rolle spielt. Dass Fernsehsender diesen Trend nun für sich entdeckt haben, ist nur verständlich, geht es ihnen doch um die vermeintliche Annäherung an das allumfassende Medium Internet. Und den zunehmenden Bedeutungsverlust von TV als Leitmedium. Doch SocialTV ist nichts weiter als eine Brückentechnologie in neuer Verpackung. Und vielleicht wird sich, wie gerade bei der Rundshow im BR zu sehen, zeigen: Das Medium Fernsehen ist generell nur sehr beschränkt zum Dialog fähig.

- Der ebenfalls gehypte Second Screen krankt an einer ähnlichen Fehleinschätzung: Wer glaubt denn ernsthaft, dass wir im post-mobilen Zeitalter der Zukunft noch den Großteil des Bewegtbildkonsums im Pre-Internet-Konstrukt "Wohnzimmer" verbringen und auf einen großen Hauptscreen schauen? Vielmehr wird sich Bewegtbild vollkommen von den Gerätefesseln lösen und als allgegenwärtiges Medium den Alltag begleiten: von der Bushaltestelle bis ins Museum.

- Viel wahrscheinlicher ist es, dass wir unseren Screen die ganze Zeit dabei haben. Nicht als Smartphone, sondern im Blickfeld. Die entsprechenden Technologien sind bereits entwickelt und werden derzeit u.a. von Google auf Marktreife geprügelt. Ein HUD (Heads-Up-Display) sorgt für die Netzkommunikation. Das Fernsehen der Zukunft benötigt also eine Augmented-Reality-Strategie.

- Der gesamte Bewegtbildmarkt ist reif zum Abschuss und steht wankend an der Klippe. Bereits eine disruptive Idee könnte ihn abstürzen lassen. Leider ist das teuflische an der Disruption, dass sie niemand vorhersieht und sie nicht aufzuhalten ist. Aber sie kommt.

- Der Einfluss von GoogleTV und Apple (ITV) wird überschätzt. Solange beide nicht mit einer wirklich disruptiven Idee aufwarten können, reihen sie sich ins bestehende Ökosystem ein. Und bringen einfach ihre eigene Duftnote mit.

- Microsofts Kinect, Apples Siri und jetzt Disney Touché: Die Navigation von Bewegtbildinhalten geht in die selbe Rchtung wie die Inhalte. Sie wird zunehmend überalltauglich und disruptiert gerade das Konzept "Wohnzimmer" (siehe oben).

Doch als Inhaltefanatiker frage ich mich: Wie wirkt sich dies alles auf den Content selbst aus?

Zunächst ist klar: In dieser Zeit des Umbruchs wird der Content überwiegend durch die technischen Möglichkeiten bestimmt. Nicht weil es Sinn macht, sondern weil es geht, werden Formate entwickelt. Und dies wird zu weiteren technischen Innovationen führen.

Gerade deswegen: Die inhaltliche Entwicklung von Bewegtbild wird für eine Übergangszeit flatlinen und den Disruptionen hinterherhechten.

 

Videopunk auf Reisen (1) - Let's go to Russia!

Damit meine Mutter auch immer weiß wo ich bin: Ab jetzt meine Vortrags- und Konferenztrips. Und welcher Ort wäre besser für den Beginn dieser Serie geeignet, als Russland. Das Land von ehmm Milch und Honig. Zumindest was die Internetwirtschaft angeht...

Dld_moskau

Im Dienste der EWVA verschlägt es mich am 26. Mai nach Moskau, mein werter Co-Geschäftsführer Dimi und ich sind zur dortigen DLD eingeladen. Wer die DLDs nicht kennt: Das sind so ultraelitäre Digital-Fachkonferenzen mit Netzwerkanspruch und ziemlich guten Snacks.

Die DLD Moskau ist übrigens ein Koop-Ding mit der Skolkovo Foundation, angeblich dem russischen Innovation Hub, und politisch nützlich sehr Putin-nah. Das muss nix heißen. Oder eben alles. Wir werden sehen.

Die mysteriösen Abrufe eines Bayer-Videos

Aus der endlosen Reihe "Videos die nett sind, aber sicherlich mehr Abrufzahlen als Zuschauer haben" gibt es heute den Versuch des Chemie-Giganten Bayer, mit einem Musikvideo viralen Erfolg vorzuspielen.

Aber langsam:

Der folgende Musik-Clip ist nicht schlecht gemacht.

Zudem basiert er auf einem weiteren "Erfolgsvideo" Bayers. Insofern könnte dies eine clever fortgesetzte Serie sein. Leider hat jemand bei Bayer vergessen, den Statistik-Bereich des Videos auszublenden. Das ist normalerweise üblich, wenn man verbergen will, woher die Abrufe abseits von YouTube stammen.

Bayer_stats
Dem geneigten Leser wird vielleicht ins Auge springen, dass das Gros der Abrufe von einer Seite namens video-loader kommt. Interessanterweise eine Apache Test Page. Dann gibt es noch Abrufe von dieser toten Seite, von der World Golf Tour und dieser lustigen Video-Insel. Ja, und tatsächlich scheinen auch Abrufe von Facebook & Co. dabei zu sein.

Mehr als 130 000 Abrufe - da sollten die Kommentare doch brummen. Oder auch nicht. Ganze 18 Kommentare haben sich unter das Video verirrt. Davon sind zwei Spam, drei entfernt und der klägliche Rest nur mäßig begeistert.

Ein Nutzer mit dem Namen "Tumbolisu" hat es schon frühzeitig auf den Punkt gebracht: "ich glaub der hat nur so viele clicks wegen so seiten wie steampowers . net. schließlich sind hier nur 3 kommentare aber 85.578 views."

Steampowers.net ist eine etwas dubios anmutende Spam-Seite. Dort kann sich jeder angemeldete Nutzer Punkte und damit Spiele-Prämien verdienen. Zum Beispiel mit dem Schauen von - welch Wunder - Videos. Derartige Seiten gibt es wie Sand am Ballermann 6. Was sie besonders gut können: ihre Adresse verschleiern.

Nächster Punkt, der in der Statistik seltsam erscheint: Bei 130 000 Abrufen gibt es nur 42 Daumen hoch (und 6 Daumen runter). Kann vorkommen. Zeigt aber, dass das Video auf YouTube ein Schattendasein fristet.

Nun wäre es nicht fair, aufgrund dieser Beobachtungen den Menschen bei Bayer so etwas wie Schummelei oder gar Wettbewerbsverzerrung vorzuwerfen. Vielleicht sind die obigen Dinge nur Zufälle. Das wäre zwar aus Kommunikationssicht weiterhin ein Tritt in die eigenen Weichteile, aber dann wenigstens mit dem Hauch des Mysteriums.

Update (30.4., 22 Uhr): Und schwupps ist die Statistik gesperrt.

 

Medien, Penetration und Sex im Gummiboot

Viel zu still war es hier die vergangenen Monate. Das lag unter anderem am Webvideopreis, der mich 4 (gefühlte 12) Monate meines Lebens gekostet hat. In diesen 4 (also 12) Monaten habe ich viel über das Medienbusiness gelernt. Warum Agenturen so seltsam ticken, warum (C)-Promis für ein Level-Up in die B-Kategorie morden würden und warum "die" Medien weiterhin im Jahre 2007 stehen geblieben sind.

Egal wie oft ich es versuche: Ich komme nicht los von den Medien. Ich liebe Journalismus und hasse das, was an kümmerlichen Resten noch ums Überleben und um Leistungsschutzgelder kämpft. Und nirgendwo sonst spürt man diese blanke Angst, aber auch das bleiche Entsetzen der Medien angesichts des Medienwandels, wie im Bereich Webvideo. Twitter, Facebook, ja sogar Instagram - all dies wird von Lokalzeitung, über Unterhaltungsradio bis Tagesschau heruntergebetet. Mantraesk als Rettungsanker postuliert. Heil dir Social Media, wir folgen dir.

Und dann das. Da gibt es ein paar Leute, die machen das, was früher das Leitmedium TV (sic!) gemacht hat (Bewegtbild). Und die erreichen mehr Zuschauer als manche Abendshow (sic!). Und verdienen sogar Geld damit (doppelsic!). Und in der Titelstory eines Möchtegern-ehemaligen-Nachrichtenmagazins wird das Phänomen YouTube abgefeiert. Und jetzt kommt's: Alle nutzen Social Media. "Hey, das wollen wir doch auch!"

Nein, ich will nicht mit dem Finger auf die Medien zeigen. Vielmehr sie an die Hand nehmen und in aufklärerischer Mission ans Licht führen (ego-sic!). Sie fortwährend damit penetrieren, dass diese sog. Phänomene auf YouTube (und Vimeo etc.) kein hipper Scheiß aus Berlin-Prenzlberg sind. Kein Hype des Jahres 2011/2012.

Was wir im Hinauswachsen des Leitmediums TV (sic!) sehen, manscht so ziemlich den gesamten Medienwandel in einen Becher Eiskaffee-mit-Schuss. Wenn sog. Phänomen-YouTuber wie aus dem Nichts mehr Leute am Wochenende gegen ACTA auf die Straße bringen als Netzpolitik.org (sorry, Markus), dann ist das eben kein Phänomen. Dann ist das ein Stück abgeschlossener Medienwandel. Dann ist das schon da. Diesen hundertausenden Menschen einen "Achtung, Alien"-Stempel zu verpassen, ist unpassend. Freundlich ausgedrückt.

Bleiben wir bei der Penetration. Die eine oder andere kritische Stimme gab es, weil der Webvideopreis nicht mehr so nerdig sei. Oder auch eben nicht mehr so grassroot. Der deutsche Nerd bleibt halt gern unter sich. Nur bringt das keinem etwas. Wenn wir nicht wollen, dass es auch in Zukunft verwundert heißt, dass es tatsächlich junge Leute im Netz gibt, die mehr Zuschauer haben als der große GottschalkSchmidtJauch, dann müssen wir raus der Nische. Und Penetrieren, Penetrieren, Penetrieren. Bis es wehtut. Vor allem uns selbst.

(Das mit dem Sex im Gummiboot im Titel ist nur eine Ente, um auch Leser außerhalb der Mediennische anzulocken. Sorry.)

 

Webvideopreis goes Düsseldorf

Kurz und knackig: Der Deutsche Webvideopreis hat jetzt in Düsseldorf ein neues Zuhause gefunden. Damit wird auch das Videocamp erstmals in der Landeshauptstadt stattfinden. Dazu gibt es auch eine offizielle Pressemitteilung im Blog des Webvideopreis.

Die Bekanntgabe des Ortes ist nur der Beginn: In den nächsten Wochen bis zum Preis haben wir noch viele großartige Nachrichten zu verkünden. Und auch das ist neu: Der Webvideopreis wird das ganze Jahr über gefeiert. Durch uns, durch Kooperationspartner. Langweilig wird euch nicht. Und uns erst Recht nicht :)