Bevor ich das vergesse und es irgendwann keine Karten mehr gibt: Zusammen mit einigen wirklich grandiosen Leuten diskutiere ich am 7. Juni in der Leipzig School of Media über diese Zukunft dieses Fernsehens. Komm mit ins Abenteuerland, der Eintritt kostet den Verstand. Der Eintritt ist kostenlos.
Aus der Beschreibung:
"Nichtlineares Fernsehen, IPTV, Apple TV, Hybrid-TV – Das Fernsehen ist in Bewegung und nicht nur Mediennutzer, auch Fachleute verlieren bei der schier unüberschaubaren Vielzahl an Kanälen, Sendern und Endgeräten den Überblick.
Was erwartet uns in Zukunft und wie werden wir morgen fernsehen? Welche Rolle spielen neue Endgeräte wie Smartphones und Tablets? Welche Chancen bieten sich für private Lokal- und Regionalveranstalter?"
Viel wird dieser Tage über die Zukunft des Fernsehens geschrieben und geredet. Allen voran "Social TV" - der Wandel im TV zum Dialogmedium - bestimmt die Diskussion. Doch alle liegen falsch.
Nun liegt es in der Natur der Zukünftigkeit, dass sie verdächtig unvorhersehbar ist. Aber angesichts der aktuellen rasenden Entwicklungen seien mir diese wenigen Gedankenstriche erlaubt:
- Social TV ist nur ein weiteres Gimmick, welches für das Gros der Formate aufgrund mangelnder Ressourcen keine Rolle spielt. Dass Fernsehsender diesen Trend nun für sich entdeckt haben, ist nur verständlich, geht es ihnen doch um die vermeintliche Annäherung an das allumfassende Medium Internet. Und den zunehmenden Bedeutungsverlust von TV als Leitmedium. Doch SocialTV ist nichts weiter als eine Brückentechnologie in neuer Verpackung. Und vielleicht wird sich, wie gerade bei der Rundshow im BR zu sehen, zeigen: Das Medium Fernsehen ist generell nur sehr beschränkt zum Dialog fähig.
- Der ebenfalls gehypte Second Screen krankt an einer ähnlichen Fehleinschätzung: Wer glaubt denn ernsthaft, dass wir im post-mobilen Zeitalter der Zukunft noch den Großteil des Bewegtbildkonsums im Pre-Internet-Konstrukt "Wohnzimmer" verbringen und auf einen großen Hauptscreen schauen? Vielmehr wird sich Bewegtbild vollkommen von den Gerätefesseln lösen und als allgegenwärtiges Medium den Alltag begleiten: von der Bushaltestelle bis ins Museum.
- Viel wahrscheinlicher ist es, dass wir unseren Screen die ganze Zeit dabei haben. Nicht als Smartphone, sondern im Blickfeld. Die entsprechenden Technologien sind bereits entwickelt und werden derzeit u.a. von Google auf Marktreife geprügelt. Ein HUD (Heads-Up-Display) sorgt für die Netzkommunikation. Das Fernsehen der Zukunft benötigt also eine Augmented-Reality-Strategie.
- Der gesamte Bewegtbildmarkt ist reif zum Abschuss und steht wankend an der Klippe. Bereits eine disruptive Idee könnte ihn abstürzen lassen. Leider ist das teuflische an der Disruption, dass sie niemand vorhersieht und sie nicht aufzuhalten ist. Aber sie kommt.
- Der Einfluss von GoogleTV und Apple (ITV) wird überschätzt. Solange beide nicht mit einer wirklich disruptiven Idee aufwarten können, reihen sie sich ins bestehende Ökosystem ein. Und bringen einfach ihre eigene Duftnote mit.
- Microsofts Kinect, Apples Siri und jetzt Disney Touché: Die Navigation von Bewegtbildinhalten geht in die selbe Rchtung wie die Inhalte. Sie wird zunehmend überalltauglich und disruptiert gerade das Konzept "Wohnzimmer" (siehe oben).
Doch als Inhaltefanatiker frage ich mich: Wie wirkt sich dies alles auf den Content selbst aus?
Zunächst ist klar: In dieser Zeit des Umbruchs wird der Content überwiegend durch die technischen Möglichkeiten bestimmt. Nicht weil es Sinn macht, sondern weil es geht, werden Formate entwickelt. Und dies wird zu weiteren technischen Innovationen führen.
Gerade deswegen: Die inhaltliche Entwicklung von Bewegtbild wird für eine Übergangszeit flatlinen und den Disruptionen hinterherhechten.
Überspringen wir den animierten Vorspann und steigen mit der Handlung ein: Seit Dezember habe ich die Ehre und Freude, ein schnuckeliges Startup durch die Babyjahre zu bringen.
Die "European Web Video Academy" (kurz: EWVA) ist ein Zusammenschluss von Webvideo-Experten und Fachleuten aus verschiedenen Medienbereichen - stetig wachsend. Unser nächstes Etappenziel ist die Veranstaltung "Deutscher Webvideopreis" Ende März 2012. Wir sehen uns nicht als kleine Alternative zum Deutschen Fernsehpreis. Wir sind die Zukunft des deutschen Fernsehpreises. Dafür kämpfen wir.
Doch nicht nur der Webvideopreis steht an: Erstmalig werden wir drei Videocamps anbieten - diese wie gewohnt ganz im Geiste eines Barcamps. Neben dem Videocamp im unmittelbaren Vorfeld des Webvideopreises wird es im September in Berlin im Rahmen der IFA-Woche ein zweites Camp geben. Als drittes Videocamp wagen wir den Schritt in die Sonne: Anfang Juni soll es zum intensiven Fachaustausch mit einer großen Truppe Webvideomacher nach Mallorca gehen. Sessions zum Thema Livestreaming am Strand, Storytelling-Workshops am Pool - es wird bewegend.
Hauptaugenmerk - und das soll durch die Veranstaltungen deutlich werden - liegt bei der Wissensvermittlung und dem Wissensaustausch im Bereich Webvideo. Deswegen tragen wir dieses Wissen ab 2012 auch u.a. in renommierte Journalistenschulen.
Und der Name deutet es schon an: Webvideo ist gelebtes Internet, über alle Landesgrenzen hinaus. Aus diesem Grund wollen wir das "Europa" im Firmentitel Ernst nehmen - und die Webvideomacher näher zueinander bringen. Dazu werden wir auch Stipendien vergeben.
Aus all diesen Gründen und mehr freue ich mich, als Geschäftsführer der "European Web Video Academy GmbH" in Düsseldorf das überaus spannende Feld des "neuen Bewegtbildes" intensiv begleiten und mitgestalten zu können.
Details und wohlfeil gewählte Worte dazu dann ab Anfang Januar auf den offiziellen Kanälen der EWVA.
P.S.: Meine bisherige Tätigkeit als redaktioneller Besserwisser bei Blinkenlichten bleibt zum Leidwesen unserer Autoren bestehen.
YouTube würdigt in einem kleinen Video die erfolgreichsten Videos des Jahres 2011. Moment: Die erfolgreichsten Videos? Nicht wirklich. Unter den Abrufgiganten sind auch faule Birnen.
YouTube Rewind ist der clipgewordene Jahresrückblick, in riesigem Tempo rauscht der Zuschauer an den meist gesehenen Videos vorbei: Die großen US-Partnerkanäle sind alle vertreten (und wenn nur für drei Sekunden), die Top 10 besteht - nicht verwunderlich - aus Musikvideos, dem eigentlichen Klickbringer YouTubes (außer in Deutschland), gemischt mit viralen Clips und Werbefilmchen. Quasi das Best-Of der One-Hit-Wonder.
Moderiert wird das Ganze von... dazu später.
Den Thron des Most-Watched-Video erklimmt - Trommelwirbel - Gesangsunfall Rebecca Black. Deswegen darf sie YouTube Rewind moderieren. Was ein cleverer PR-Gag YouTubes ist.
Warum? Schauen wir uns an, wer diese Mrs. Black ist.
Mit ihrer Pop-Posse "Friday" hat sie derzeit knapp 12,5 Mio. Abrufe bei YouTube. Das waren noch bis MItte Juni deutlich mehr - nämlich bis es aufgrund Stretigkeiten mit dem eigenen Plattenlabel von der Plattform flog. Die bis dahin gesammelten 167 Mio. Abrufe sind zwar futsch, aber trotzdem in die Jahresberechnung eingeflossen. Zahlreiche Parodien mit dutzenden Millionen Abrufen haben den Hype beflügelt. Deswegen ganz klar Platz Numero Uno.
Was uns YouTube und Rebecca Black gerne verschweigen: "Friday" war und ist weiterhin das meist gehasste Video weltweit. Die YouTube-Erstauflage musste über 3 Mio. Daumen nach unten ertragen. Die Wiedereinstellung liegt bei 300 000 Miesen, bei nur 80 000 positiven Stimmen. Ebenfalls lesenswert sind die 200.000 Kommentare unter dem Video...
Bleibt zu hoffen, dass in der Berichterstattung zu den Top-Webvideos-2011 der eine oder andere genauer hinschaut - und nicht blind auf Abrufzahlen vertraut.
Und nun - gratulieren wir Rebecca Black mit eine der schönsten Parodien ihres "Video-des-Jahres".
Journalisten sind vor allem dafür bekannt, Trends zu verschlafen und neue Entwicklungen erst dann zu adaptieren, wenn die Version 3.0 schon an die Türe des Betriebsrates klopft. Man darf es kaum laut sagen, aber beim Thema Webvideo irren die meisten Verlage und Sender wie Zombies durch die Steinzeit.
Ich erinnere mich noch an den ersten Webvideo-Boom. Damals, 2007, war Webvideo das heiße Ding in Journalismus-Deutschland. Es wurde viel investiert, weniger gewagt und leider noch weniger gewartet. Heute beschränken sich die Aktivitäten der Branche im Verteilen von Agentur-Videos auf dem Portal, halbmultimediale "Sonder-Specials" und, das wahre Verbrechen, im Verweigern der Zukunft, des Nachwuchses.
Ersparen wir uns an dieser Stelle die Plethora der üblichen Statistiken und Studien. Bewegtbild im Netz, und zwar abseits der traditionell-gefärbten Mediatheken, hat sich als Kommunikationsform in der Gesellschaft gleichwertig neben anderen Formen gesellt. Die Jugend von heute, sie SMSt nicht mehr nur, sie bewegtbildet sich zu.
Und wenn dann ein Jugendlicher sein mit Handy aufzeichnetes Video am Abend auf YouTube lädt, so beherrscht er mehr kommunikatives Handwerk, als sämtliche Zeitungs-, Radio- und sogar TV-Journalisten in seiner Stadt. Das ist nicht nur bedenklich, sondern gefährlich für einen Berufsstand, dessen Gewerbe sich mit "Medien" umschreibt.
Die Lösung für das Problem liegt peinlicherweise dort, wo am meisten gespart wird: bei der Ausbildung. Es genügt heute nicht mehr, Volontären oder gestandenen Journalisten den Umgang mit der Fernsehkamera zu zeigen. Es genügt nicht mehr, Videojournalismus als Allheilmittel für günstiges Bewegtbild im Netz zu propagieren. Und es reicht auch nicht, die Flip-Kamera jedem Interview-Partner unter die Nase zu halten. Laufen wir Journalisten weiterhin so behäbig unseren Nutzern hinterher, wird uns früher als uns lieb ist die Puste ausgehen.
Sowohl für die Produkt- als auch Inhaltsseite hat sich bei Webvideo viel bewegt. Heutzutage wissen wir, was die Nutzer sehen wollen. Und zwar auch, wie lange. Und wann. Und demnächst auch mit wem. Der Webvideobereich hat sich in den vergangenen drei Jahren hochgradig professionalisiert. Nun ist es an der Zeit, dass Medienhäuser das Thema Ernst nehmen. Bevor es zu spät ist.
Wer sich zu Weihnachten mit Fachwissen beschenken will, sollte sich den "Universalcode" anschauen. Ich habe ein kleines Basiskapitel zu Webvideos beigesteuert, wohl wissend, dass das Thema zu komplex und zu diskutabel für 25 Seiten ist. Vielmehr sind ein kleiner Überblick und ein zwei Gedankenspiele herausgekommen.
Mehr Infos zum Buch und eine Bestellmöglichkeit gibt's auf der offiziellen Seite.
Und als Teaser hier der Einstieg in mein Kapitel:
Ein junger Mann steht vor einem Elefantengehege eines Zoos in San Diego. In wenigen Worten und etwas unbeholfen beschreibt er die Szenerie und sein Faible für diese Tiere. Nur 19 Sekunden dauert das erste bei YouTube hochgeladene Video. Der Clip stammt von keinem Fernsehprofi oder Filmstudenten. Es stammt von Jawed Karim, Mitbegründer der weltgrößten Videoplattform YouTube. Mit diesem Video markierte er 2005 den Start in ein neues Bewegtbildzeitalter.
Im Jahr 2007 fanden pro Minute fünf Stunden neues Videomaterial auf die Plattform. Seitdem ist YouTube rasant gewachsen. Im November 2010 haben die Nutzer 35 Stunden neues Videomaterial pro Minute hochgeladen, im Mai 2011 waren es bereits 48 Stunden. Damit gibt es monatlich mehr neuen Inhalt auf YouTube, als alle großen US-Fernsehsender in den vergangenen 60 Jahren gemeinsam hätten ausstrahlen können.
YouTube steht damit stellvertretend für den radikalen Medienwandel im Bewegtbildbereich. Plötzlich ist es jedem Menschen möglich, sich mittels Video einer Weltöffentlichkeit mitzuteilen. Gleichzeitig ist es so kostengünstig wie noch nie, Bewegtbild mit professionellem Anspruch zu erstellen. Zum Vergleich: Ein digitales Videoschnittsystem kostete 2005 noch deutlich über 10 000 Euro. Heute genügen ein moderner Laptop, eine günstige Schnittsoftware und ein Handy, um professionell anmutende Videos zu erstellen.
Diese kollektive Kreativität führt stetig zu neuen Formen des Bewegtbildjournalismus, angetrieben durch die Experimentierfreude des nun selbst produzierenden Publikums.
YouTube hat damit indirekt mehr für den Bewegtbildjournalismus getan, als die Einführung des Privatfernsehens in Deutschland Mitte der 90er Jahre oder die Verbreitung des kostensparenden Videojournalismus, also des Ein-Mann-Kamerateams, ein paar Jahre später. Die kostenlose Möglichkeit, sein eigener Sender zu werden, zu berichten und mit Bewegtbild eine Meinung auszudrücken, hat eine ganze Generation geprägt.
Diese Demokratisierung der Produktionsmittel geht an klassischen Medienbetrieben nicht spurlos vorüber. Während Webvideos zunehmend das Internet erobern, zögern trotzdem viele deutsche Medienmacher bei der eigenen Produktion fürs Web. Stattdessen setzen sie vor allem auf die Wiederverwertung von Fernsehinhalten oder, was weitaus schlimmer ist, kopieren Fernsehformate fürs Web. Die Kluft zwischen dem Anspruch des Zuschauers und des professionellen Videomachers wird immer größer.
Dieses Kapitel gibt Videoneulingen und Fernsehjournalisten Ratschläge, um professionelle Bewegtbilder fürs Netz zu erstellen. Der Schwerpunkt der Betrachtung wird bei YouTube liegen. Die Ratschläge gelten in ähnlicher Form für alle sozialen Video-Netzwerke wie Clipfish, MyVideo und weitere Webvideo-Angebote deutscher Medienhäuser.
Endlich ist die Katze aus dem Sack: Mein geschätzter Webvideopreis-Kollege Christoph "Clixoom" Krachten hat eine neue Firma aufgemacht. Und es geht um nichts weniger, als um Webvideo und um Geld.
Endlich mal, müsste man sogar sagen. Unter der Firmierung "Mediakraft" haben sich ein paar der reichweitenstarken und vermarktbaren YouTube-Kanäle zusammengefunden, um sich für Vermarktungsansätze zu bündeln.
Der Zusammenschluss ist ein erster Schritt in Richtung einer Professionalisierung des Webvideo-Marktes wie in den USA. Ich bin mir sicher, dass Mediakraft nicht das letzte portalbezogene Netzwerk bleibt. Und Mediakraft zudem schnell Zuwachs finden wird.
Laut BusinessInsider plant YouTube-Mutter Google mittelfristig Investitionen von etwa 500 Millionen Dollar in eigene Bewebtbildinhalte. Ein Strategiewechsel, der TV-Anbietern weltweit starke Kopfschmerzen verursachen wird.
YouTubes Strategie war bis jetzt eher zurückhaltend: Kein eigener Content, der Kauf des Inhalteproduzenten Next New Networks zuvor würde lediglich für Aktionen wie Nachwuchsförderung innerhalb der Community genutzt. YouTube gefiel sich in der Rolle des reinen Plattform-Anbieters, nicht zuletzt auch aus rechtlichen Gründen. Die Haftung für Inhalte liegt damit bei den Contentbesitzern.
Der Sinneswandel überrascht. Noch im Juni beim YouTube-Nachwuchswettbewerb "Secret Talents" hieß es: Nein, wir werden kein Contentanbieter. Denn: "Wir wissen, wo unsere Stärken liegen", lautete damals die Aussage von Google-Pressesprecher Stefan Keuchel. Gefahr erkannt, Gefahr verbannt - Google rüstet nun eben an dieser Front auf.
Hintergrund: Der TV-Markt ist reif zum Abschuss. Vor allem in den USA stehen die Kabelnetzbetreiber mit dem Rücken zur Wand. Die Zahl der sogenannten "cord cutters" - Konsumenten ohne Kabel-TV-Vertrag - nimmt stetig zu. Eine Entwicklung, die sich auch in Deutschland, wenn auch abgemildert, fortsetzen könnte.
Ein weiterer Motivationsgrund für Google: Die eigene Couch-Plattform GoogleTV ist zwar in den USA gefloppt, soll aber 2012 einen neuen Anlauf nehmen und auch z.B. in Deutschland an den Start gehen. Grund für das Scheitern war bis jetzt u.a. die vorsichtige Haltung der Contentanbieter in den USA. Längst nicht jeder TV-Sender oder Filmeproduzent wollte seine Inhalte über Googles-Fernsehbox flimmern sehen. Konsequent nun also, dass Google in eigenen Premium-Content investieren will.
Deutschland könnte bei diesem Strategiewechsel eine starke Rolle einnehmen. Aus verlässlichen Quellen heißt es, dass noch dieses Jahr ein deutsches Content-Netzwerk im Stile Next New Networks gegründet werden soll. Unabhängig - aber finanziell unterstützt durch Google-Geld.