Lohndumping Videojournalismus
Seit vier Monaten bin ich freiberuflicher Videojournalist. Zu früh, um ein erstes Fazit zu ziehen. Aber lange genug, um eines erkannt zu haben: Es gibt kaum einen Medienberuf in Deutschland, der mieser bezahlt wird, als ein Journalist mit Videokamera.
Dabei könnte die Ausgangslage so rosig sein: Aufträge gibt es in der Branche genug. Wer arbeiten will, kommt auch dazu. Nicht jeden Tag. Aber immer mal wieder. Warum also das Geheule? Weil oftmals selbst 20 Arbeitstage im Monat nicht für ein ordentliches Leben reichen würden. Der Knackpunkt liegt beim Tagessatz, nach denen VJs in der Regel bezahlt werden.
Beispiel gefällig? Vor gut zwei Monaten erhielt ich eine Anfrage, eine gewisse Veranstaltung filmisch zu begleiten. Nur den Tag über filmen und am selben Abend kurze Clips ins Netz feuern. 120 Euro zzgl. Mehrwertsteuer seien drin. Nach meinem anfänglichen Schock feuerte ich zurück: Ob das Ernst gemeint sei. "Ja, das sind doch übliche Marktpreise." Und leider, es ist so.
In NRW geht es noch vergleichsweise human zu: Wie mir Kollegen fortwährend bestätigen, sind durchaus 200 Euro pro Tag möglich. Allerdings ohne Spesen, das wäre dann doch luxus. In Berlin und Hamburg schaut die Lage noch brenzliger aus. Manche Kollegen gehen tatsächlich für unter 100 Euro am Tag vor die Tür. Und bringen - wie hätte es anders sein können - gleich ihr eigenes Equipment mit.
Man muss kein großer Mathematiker sein, um zu erkennen, dass dort etwas nicht passt. Jeder Freiberufler kann ein Lied davon singen, dass selbst bei "Vollauslastung" nicht viel übrig bleibt. Neben der Lohnsteuer und den (für freie Journalisten unverschämt hohen) Sozialabgaben muss auch noch die private Rente gesichert sein. Sonst landet man spätestens mit 67 beim Sozialamt.
Auch ich habe dieses Lohndumping während meiner Zeit als Video-Chef bei DerWesten gefördert: Freien Mitarbeitern, allesamt gelernte Video-Profis, habe ich 150 Euro am Tag gezahlt. Meine Entschuldigung: Mehr ist nicht drin. Und im selben Atemzug: Verlasst euch nicht auf ein Dutzend Tage im Moment. Seht es als Lückenfüller.
Dahinter steckt eine einfache Erkenntnis: Die Mischung macht's. Bietet euer Wissen breit gefächert an: Vorträge, Schulungen, schreibt meinetwegen ein Buch. Aber baut keine Existenz als drehender Tagelöhner auf.
